Bewegende Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Ludwig Fink zum Volkstrauertag

Veröffentlicht am 17.11.2010 in Lokalpolitik

Eine vielbeachtete und von den anwesenden Fahnenabordnungen und Stadtberger Bürgerinnen und Bürger hoch geschätzte Rede hielt Dr. Ludwig Fink im Anschluss an den von Pfarrer Berchtenbreiter und Diakon Dr. Schrom feierlich gestalteten Gottesdienst zum Volkstrauertag. Wir wollen aber nicht über die Rede schreiben, sondern sie unseren Lesern und Besuchern der Homepage nicht vorenthalten. Hier geht es zur Rede des Bürgermeisters.

Ansprache des Ersten Bürgermeisters Dr. Ludwig Fink
zum Volkstrauertag Stadtbergen am 14.11.2010

Zitate aus Hitlers „Mein Kampf“
- „Das Deutsche Reich soll als Staat alle Deutschen umschließen. Deutschland wird entweder Weltmacht sein, oder überhaupt nicht sein“
- „Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Russland und die ihm untertanen Randstaaten denken“
- „Denn darüber muss man sich endlich vollständig klar werden:
Der unerbittliche Todfeind des Deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich“
- „Ein Staat der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden“
- „Das mögen die Anhänger unserer Bewegung nie vergessen, wenn je die Größe der Opfer zum bangen Vergleich mit dem möglichen Erfolg verleiten sollte“

Diese furchtbaren Gedanken, Überlegungen, Absichten wurden vor 86 Jahren zu Papier gebracht, von einem Mann, der kurz zuvor mit gerade mal 34 Jahren in München gegen die Bayerische Regierung geputscht hatte und dem es gelungen war, dafür als Gefreiter des 1. Weltkriegs den nach Hindenburg bekanntesten Feldherrn, nämlich Erich Ludendorff auf seine Seite zu bringen.
Das war von Anfang an kein Irrer und Verrückter, sondern ein hochgefährlicher, außerordentlich demagogisch veranlagter Mann, der meinte, was er sagte, und der sagte, was er meinte.

Er hat versucht systematisch in die Tat umzusetzen, was er vor Augen hatte. Dieser Mann war Adolf Hitler, der in Landsberg in Haft das Buch „Mein Kampf“ schrieb, aus dem die Zitate entnommen sind.
Zitate, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen, und doch gelang es ihm die Menschen zu täuschen, das Gros des Deutschen Volkes, die Verbündeten, wie auch die Gegner. „Mein Kampf“ ist geradezu eine Handlungsanweisung, für das, was später geschah.
Frankreich besiegen, Polen besiegen, die Sowjetunion besiegen wollen, Italien als Bündnispartner gewinnen, England als Bündnispartner gewinnen wollen, was ihm nicht gelang, Lebensraum im Osten gewinnen wollen, die Juden vernichten – das war Krieg mit Ansage, das waren Leid und Opfer mit Ansage, das waren Tod und Elend und Verluste und Verwüstung, eiskalt kalkuliert und brennend heiß gewollt. Hitler hat wie kein Diktator vor ihm und wie kein Diktator nach ihm, sein eigenes Land und die ganze Welt auf den Kopf gestellt.

Ein Österreicher, ein Staatenloser, ein Mann ohne abgeschlossene Schulbildung, ein Mann ohne Ausbildung, zeitweise ohne Wohnsitz, ohne feste Arbeit.
Allerdings durchglüht von Ehrgeiz, sich vom Schicksal ausersehen erachtend, Deutschland zu retten, mit einer suggestiv wirkenden gewaltigen Redegabe versehen.
Er war in seiner verheerenden Wirkung wohl noch schlimmer als sein roter Rivale, Stalin, ebenfalls ein millionenfacher Mörder.
Hitlers Gedanken, Vorstellungen, Pläne und Ziele führten in den furchtbarsten aller Kriege in der Geschichte der Menschheit.
Er ließ seinen Paladin Goebbels fragen, als die Lage schon völlig hoffnungslos war:
„Wollt ihr den totalen Krieg?“
Die einmütige Antwort des sorgsam ausgewählten Publikums war ein Ja.

Der totale Krieg mündete, wie wir wissen, in die totale Niederlage Deutschlands mit schrecklichen Folgen und Konsequenzen.
Deutschland war ein Trümmerhaufen aus Schutt und Asche, mit Menschen ohne Halt und scheinbar ohne Zukunft, deren Seelen oftmals auch ein Trümmerhaufen zu sein schien.
Dieses Deutschland wurde zertrümmert in 4 Besatzungszonen.
Der Osten ging verloren an Polen, das wiederum seinen Osten an die Sowjetunion abtreten musste. Das Elend der Vertreibung glich einer wahren Völkerwanderung.
Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland, aus den deutschen Ostgebieten, aus Ungarn, aus Rumänien, Vertreibung von insgesamt über 10 Millionen Deutschen, wobei zusätzlich 3 Millionen ums Leben kamen. Sie ergossen sich in den Trümmerhaufen aus Schutt und Asche, mussten verpflegt, versorgt und untergebracht werden.

Welch eine Integrationsleistung dieses ausgebluteten und ausgemergelten Deutschlands.
Immer wieder wird sie genannt:
Die Zahl: 55 Millionen.

55 Millionen Todesopfer, die der 2. Weltkrieg kostete.
Es sind nur 65 Jahre her, dass dieser Krieg beendet wurde.
55 Millionen droht zu einer statistischen Zahl zu werden, je länger das Kriegsende zurückliegt. Wir wissen heute, dass in Afghanistan 44 deutsche Soldaten ihr Leben ließen. Wir sind jedes Mal betroffen, wenn wir von einem neuen Opfer hören, lesen oder sehen.
Verteidigungsminister und Bundeskanzlerin wohnen den Trauergottesdiensten bei. Der Tod wird hier individuell.
Wir haben Frauen gesehen, die um ihre Männer getrauert haben.
Kinder, die stumm und blass und leidend vor dem Sarg des Vaters standen.

Einer der ersten, der in Afghanistan den Tod fand, war ein junger Soldat aus Steppach, der mit dem Hubschrauber abstürzte - das war 2002.
Ich weiß, wie sehr die Eltern heute noch leiden, wie der Grabstein auf dem Steppacher Friedhof ein Mahnstein ist für den Frieden.
55 Millionen Mal dieses Leiden. Die Versehrten und Verwundeten noch gar nicht eingerechnet. Welch ein Strom von Tränen, welch eine Dimension von äußeren und inneren und seelischen Verletzungen, welch ein Elend.
Alles Folgen des von Hitler entfesselten 2. Weltkriegs.
Diese Folgen wirken bis zum heutigen Tag, wenn z.B. die Vertriebenenpräsidentin, Erika Steinbach, sich auseinandersetzt mit dem früheren polnischen Außenminister Bartoschewski, wenn die Benesch-Dekrete immer wieder angesprochen werden zwischen deutschen und tschechischen Politikern und Diplomaten, wenn nach wie vor deutschstämmige Russen und Polen Aufnahme finden in unserem Land, wenn wir in unserem Verhältnis zu Frankreich, statt der jahrhundertelangen Erbfeindschaft eine tiefe Freundschaft konstatieren, wenn sich bald nach dem heißen Krieg ein kalter Krieg entwickelte, mit einer Blockbildung, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hatte, wenn letztlich auch der Staat Israel und damit das Pulverfass im Nahen Osten entstand.
Diese und viele andere Entwicklungen gehen mittelbar und unmittelbar zurück auf Hitlers Krieg.
Wundert es uns da, wenn der griechische Philosoph Heraklit sagt:
„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“
oder Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell ausrufen lässt:
„Ein furchtbar wütend Schicksal ist der Krieg, die Herde schlägt er und den Hirten“
und schließlich der römische Philosoph Plutarch:
„Krieg ist ein grausam Ding und er schleppt in seinem Gefolge Unrecht und Übeltat die Menge“.

Nach dem 2. Weltkrieg sind weltweit über 200 Kriege geführt worden, darunter ganz schlimme wie der Vietnam-Krieg, der Irak-Krieg und jetzt noch der Afghanistan-Krieg.
In Europa hat es, so unglaublich es klingt, seit über 60 Jahren nur in „einen Krieg“ gegeben, den Krieg in Jugoslawien anfangs der 90ger Jahre. Dies war genau ein Krieg zuviel. Er hat eine hohe Zahl von Opfern erfordert. Ethnische Gruppen sind ebenso aufeinandergeprallt, wie religiöse. Territoriale Besitzansprüche standen einander gegenüber – alles Muster von Kriegen, die Europa über die Jahrzehnte und Jahrhunderte heimgesucht haben.
Deutschland gegen Russland, Russland gegen Finnland
England gegen Frankreich, Frankreich gegen Deutschland
Deutschland gegen England, Italien gegen Frankreich
Frankreich gegen Spanien
- die Geschichte Europas ist eine unablässige Folge von Kriegen. Die Geschichte Europas ist zu einem guten Teil die Geschichte von Kriegen.

Dieses Europa ist seit dem Ende des 2. Weltkriegs befriedet. Ehedem verfeindete Nationen sind aufeinander zugegangen. Haben Verträge miteinander geschlossen, mit der Absicht, sich zu vertragen.
Ausgangspunkt der Europäischen Gemeinschaft, der Europäischen Union, bildeten die Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Luxemburg.
Deutschland und Frankreich sind seit vielen Jahrzehnten in einem Boot. Wenn ein Beobachter vor 100 Jahren, also vor Beginn des 1. Weltkriegs in die Zukunft geblickt hätte, ihm wäre schwindlig geworden, was er hier sah. Deutschland und Frankreich in einem Boot, Fährmänner, vertrauensvoll, ja freundschaftlich miteinander umgehend:
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, François Mitterrand und Helmut Kohl.

Vielleicht werden die Historiker einstens sagen, aus einer Erbfeindschaft ist eine Erbfreundschaft geworden.
Dieses Europa der 6 wurde stufenweise aufgebaut bis zum Europa der 27.
Die letzten Erweiterungen erfolgten rasch, Helmut Schmidt sagt, zu rasch. Darin steckt bestimmt viel Wahrheit.
Es bleibt aber dabei, diese Gemeinschaft ist nicht nur eine ökonomische Gemeinschaft, von der wir als Exportland mehr gewinnen als verlieren, sie ist auch eine Gemeinschaft des Friedens und der Demokratie. Kein Land in dieser Gemeinschaft kann es sich leisten, gegen Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verstoßen und sie ist vor allem eine Friedensgemeinschaft. Es ist geradezu undenkbar geworden, dass ein Land der Europäischen Union ein anderes bekriegt - wissen wir das überhaupt noch zu schätzen, zu würdigen?
Immanuel Kant, der große deutsche Aufklärer, hat eine kleine Schrift verfasst „vom ewigen Frieden“. Darin heißt es, wie fast alles bei Kant in schwerem Deutsch geschrieben:
„Der ganze Endzweck der Rechtslehre innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft zielt auf allgemeine und fortdauernde Friedensstiftung. Es gilt durch allmähliche Reform nach festen Grundsätzen in kontinuierlicher Annäherung zum höchsten politischen Gut – zum ewigen Frieden zu leiten.
Leichter verständlich schon die christlichen Sätze:
„Friede sei mit Euch“
„Den Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch“
oder
„Er ruhe in Frieden“
Gleiches gilt für Marie von Ebner-Eschenbachs Aphorismus:
„Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn gibst“

Die Stadtberger waren nun nicht immer Friedensengel, nicht einmal die hochstehenden Gemeinde- und Stadträte. Aber sie haben sich immer wieder zu Friedensboten entwickelt:
Nach Japan, nach Frankreich, nach Sachsen, nach Tschechien, nach Togo. Überall dorthin haben wir Freundschaften, Partnerschaften und Patenschaften.

Wir tun das bewusst im Sinne der Völkerfreundschaft, der Völkerverbindung und letztlich im Sinne des Friedens.

Diese Arbeit, so aufwendig sie manchmal ist, tut wohl vor dem Hintergrund so manches Zwists – der im Übrigen auch ganz schön aufwendig sein kann.

 
 

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Stadtrat und Rathaus

Die SPD Fraktion hat sich in der Vergangenheit immer wieder für eine transparente und zeitnahe Informationspolitik ausgesprochen. Wir wollen den (interessierten) Bürger über aktuelle Sachverhalte im Stadtrat und den Ausschüssen informieren. Aus diesem Grund haben wir auch den Antrag auf ein digitales Amtsblatt mit einer Newsletterfunktion gestellt. Leider wurde Antrag nicht 1:1 umgesetzt, weil es angeblich im vorhandenen Softwarewerkzeug nicht geht.

Was wollen wir stattdessen tun:

Wir werden zeitnah die Tagesordnung einstellen, in einem weiteren Abschnitt unsere Redebeiträge und in einem weiteren Abschnitt für uns wichtige Sachverhalte. Welche Meinung haben Sie dazu? Bitte schreiben Sie uns an unter info@spd-stadtbergen.de oder rufen uns an unter 0151 11037725.

vielen Dank.

Roland Mair
Fraktionsvorsitzender

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