Würdevolle Gedenkfeier für Bebo Wager

Veröffentlicht am 12.08.2012 in Allgemein

Am Nachmittag des 12. August 1943 wurde der Augsburger sozialdemokratische Widerstandskämpfer Bebo Wager, führendes Mitglied der süddeutschen Widerstandsgruppe "Revolutionäre Sozialisten", von der nationalsozialistischen Justiz hingerichtet.

Zum 69. Todestag fand eine Gedenkfeier am Grabmal Bebo Wagers auf dem Augsburger Westfriedhof statt.

Die Gedenkreden hielten in diesem Jahr die Stadträtin Ulrike Bahr, Vorsitzende der SPD Augsburg, Klaus Kirchner, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Augsburg, und der Landtagsabgeordnete Dr. Linus Förster.

Für den gelungenen und stimmungsvollen musikalischen Rahmen sorgte ein Querflöten-Ensemble der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg unter der Leitung von Susanne Schweiger.

Urike Bahr rückte den verantwortungsvollen Familienvater in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Sie ließ das kurze, aber bewegte Leben Wagers nochmal für die Gäste der Gedenkfeier Revue passieren:

1905 in eine Augsburger Arbeiterfamilie geboren, Ausbildung zum Elektriker, Beitritt zur Sozialistischen Arbeiterjugend mit 17, Gründung einer sozialdemokratischen Gruppe im Sommer 1933, ab Herbst 1934 Leitung der Revolutionären Sozialisten als Nachfolger von Hermann Frieb, Festnahme durch die Gestapo im April 1943, Todesurteil in Innsbruck im Mai 1943 und schließlich Ermordung in München-Stadelheim am 12. August 1943.

Ulrike Bahr verlas zum Schluss ihrer Würdigung eines großen Sozialdemokraten dessen Abschiedsbrief an seine Familie. Bei den tief bewegten Besuchern der Gedenkfeier bleibt vor allem ein Satz im Gedächtnis. "Ich gehe ohne Haß und ich möchte nicht, dass durch meinen Tod neuer Haß entsteht."

Auf Clemens Högg und seinen Leidensweg ging Klaus Kirchner in seiner bewegenden Ansprache ein. Ohne Manuskript erzählte er - teils sichtlich ergriffen - aus einem tätigen, am Menschen orientierten Leben als Handwerker und später als Politiker, das von den Nationalsozialisten brutal zerstört wurde.

Der gelernte Schmid schloss sich der sozialdemokratischen Bewegung im Kaiserreich an und gründete den Ortsverein Neu-Ulm. Aufgrund seiner kommunalen Verdienste wurde er 1919 Bürgermeister. Im Ersten Weltkrieg wurde der Handwerksgeselle zur Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) nach Augsburg zwangsverpflichtet. Auch in dieser Stadt betätigte er sich ab 1919 in der politischen Arbeit und war ein Jahr später stellvertretender Augsburger SPD-Vorsitzender und hauptamtlicher Parteifunktionär für den Bezirk Schwaben. Der gute Redner und überzeugende Sozialdemokrat wurde in den Stimmkreisen Augsburg II und Illertissen 1924 in den Bayerischen Landtag gewählt. Erst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor er, wie alle anderen Mitglieder der SPD-Fraktion, sein Abgeordnetenmandat.

Högg gliederte noch vor der Machtübernahme die AWO und wurde selbst Vorsitzender. 1927 schuf er den Bezirksverband Schwaben.

Ab 1933 war Högg im Visier der Nationalsozialisten. Nach einem missglückten Mordversuch wurde er inhaftiert und in das KZ Dachau eingewiesen.

Als Folgen der Folter im KZ Oranienburg-Sachsenhausen erblindete Clemens Högg, auch musste ihm ein Bein amputiert werden, schließlich verstarb er im KZ Bergen-Belsen.

Klaus Kirchner rief nochmals in Erinnerung, dass die Augsburger Arbeiterwohlfahrt das Andenken an Högg durch die Namensgebung "Clemens-Högg-Haus" für ein Heim für psychisch Behinderte wachhalten wolle.

Dr. Linus Förster warnte wie Ulrike Bahr vor den Gefahren rechten Gedankenguts. Es sei unerträglich, dass in einem geeinten Europa solche Ideen immer noch Menschen verunsichern und entzweien können. Er setzte seine Vision eines von Europa ausgehenden Weltfriedens in den Mittelpunkt seiner Ansprache und schloss mit dem Gedicht Der Graben von Kurt Tucholsky, das 1926 unter dem Pseudonym Theobald Tiger veröffentlicht worden war.

Mutter, wozu hast du deinen aufgezogen?
Hast dich zwanzig Jahr mit ihm gequält?
Wozu ist er dir in deinen Arm geflogen,
und du hast ihm leise was erzählt?
Bis sie ihn dir weggenommen haben.
Für den Graben, Mutter, für den Graben.

Junge, kannst du noch an Vater denken?
Vater nahm dich oft auf seinen Arm.
Und er wollt dir einen Groschen schenken,
und er spielte mit dir Räuber und Gendarm.
Bis sie ihn dir weggenommen haben.
Für den Graben, Junge, für den Graben.

Drüben die französischen Genossen
lagen dicht bei Englands Arbeitsmann.
Alle haben sie ihr Blut vergossen,
und zerschossen ruht heut Mann bei Mann.
Alte Leute, Männer, mancher Knabe
in dem einen großen Massengrabe.

Seid nicht stolz auf Orden und Geklunker!
Seid nicht stolz auf Narben und die Zeit!
In die Gräben schickten euch die Junker,
Staatswahn und der Fabrikantenneid.
Ihr wart gut genug zum Fraß für Raben,
für das Grab, Kameraden, für den Graben!

Werft die Fahnen fort!
Die Militärkapellen spielen auf zu euerm Todestanz.
Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen -
das ist dann der Dank des Vaterlands.

Denkt an Todesröcheln und Gestöhne.
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
schuften schwer, wie ihr, ums bißchen Leben.
Wollt ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
übern Graben, Leute, übern Graben -!

 
 

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