Wie versprochen gibt es auf unserer Homepage exklusiv die Rede des Stadtoberhaupts. Hier kann die Antwort auf den Titel der Rede "Stadtbergen - quo vadis?" nochmal in Ruhe nachgelesen werden. Klicken Sie auf "mehr"!
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Neujahrsansprache 2011
gehalten am 23.01.2011 - Es gilt das gesprochene Wort
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie ganz herzlich zu unserem diesjährigen Jahresempfang.
Zahlreiche Ehrengäste sind gekommen, um diesem Empfang beizuwohnen.
Madame de jumelage de Brie-Comte-Robert est venue. Je salue Andrée Touboule, la notre citoyenne d’honneur seule et de grand mérite.
Madame Partnerschaft aus Brie-Comte-Robert ist gekommen. Ich begrüße mit besonderer Freude Andrée Touboule, unsere einzige und hochverdiente Ehrenbürgerin.
Keine Nachrichten, keine Meldungen, keine Gespräche, keine Telefonate – einer der Rührigsten, nicht nur in unserem Landkreis - war längerfristig nicht mehr inmitten des politischen Geschehens.
Ende November erfuhren wir es – Gott sei Dank aus seinem Mund – eine schwere Krankheit hatte ihm das Heft aus der Hand genommen. Stadtbergen freut sich, dass Sie, lieber Herr Abgeordneter Oswald, wieder in unserer Mitte sind, und wenn ich sage „Mitte“, dann meine ich das auch so.
Politik ist im besonderen Maße einem gefräßigen Moloch gleich, unablässig präsentiert, verschlingt und verdaut sie – mehr oder weniger – Nachrichten, Ereignisse, Meldungen, Neuheiten, Sensationen. Setzt sich rasch hinweg über Schicksale, über Krankheiten und auch den Tod.
Le roi est malade
Le roi est mort
Vive le roi
Wie halten wir es eigentlich mit der Qualität inmitten dieser Betriebsamkeit? Inmitten einer Welt der Faxe, E-Mails, Handys und des Internets, die allesamt eine wichtige Funktion haben, allerdings eine wichtige dienende Funktion. Wo sie sich zum Selbstzweck aufschwingen, haben sie letztlich ausgedient für ihre eigentliche Aufgabe.
Ich frage mich, ob die Qualität der Politik mit den ungeheuren Informationsmöglichkeiten besser geworden ist.
Unsere Kanzlerin ist ja ein Paradebeispiel für Multifunktionalität. Sie herzt und kost den alten Schwerenöter Berlusconi, vielleicht sogar noch inniger als ihren lieben Horst. Gleichzeitig schickt sie Glückwünsche an Jogi Löw, herrscht sie einen Journalisten an und zwinkert via Fernsehen Ihrem Mann zu. Alle Achtung!
Ja, die Frage der Qualität. Sie wird nicht automatisch definiert durch die Quantität, schon gar nicht durch das Übermaß.
„Eile mit Weile“ – dieses altmodische Sprichwort sollte vielleicht in der Politik nicht ganz außer Acht bleiben.
„Eile mit Weile“ scheint mir jedenfalls vernünftiger zu sein als „Hast ohne Rast“.
Sein Herz schlägt für das Bayerische Rote Kreuz, für das Augsburger Zentralklinikum, für kranke und behinderte Menschen. Sein jüngstes Kind – fast schon ein Enkelkind in der Reihe seiner zahlreichen Initiativen – sind die „mukis“, das Mutter-Kind-Zentrum beim Augsburger Klinikum.
Sein Herz schlägt für den Landkreis.
Sein Herz schlägt für den Freistaat Bayern, wenngleich dessen Regierung ihm zwar noch keinen Herzstillstand bescherte, wohl aber gelegentlich deutliche Herzrhythmusstörungen.
Seit Wildbad Kreuth ist die Welt allerdings wieder in Ordnung. Schließlich waren nicht nur die innigen Freunde Horst und Karl-Theodor da, sondern auch die Margot und der Jean-Claude – wahrliche Aufheller für das Gemüt. Auch die Zahlen für die politische Zustimmung steigen wieder.
Sein Herz schlägt auch für Stadtbergen, was er viele Male schon bewiesen hat.
Dieses Herz gehört Max Strehle, unserem langjährigen Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Landrat.
Herzlich willkommen Max Strehle.
Sie hat nunmehr auch schon einige Landtagsjahre nicht auf dem Buckel, sondern auf dem wohlgeformten Rücken.
Sie straft alle Akademikerinnen Lügen, die trotz Kindergeld, Elterngeld, Krippen, Kindergärten, Kinderhorten, beruflicher Rückkehransprüche und absolut familientauglicher Ehemänner – die soll es auch geben -, so gar kein Kind bekommen wollen.
Nein – sie hat deren Drei. Wobei die liebe Katharina gerade mal ein Jährchen alt ist.
Ich begrüße Mrs. Landtag – Dr. Simone Strohmayr, zugleich Stadt- und Kreisrätin.
Simone ist eine der wenigen, die noch auf ihren Bürgermeister in dieser Frage hören, ließ ich doch vor Jahr und Tag den Appell vernehmen:
„Wachset und mehret Euch“.
Das Ergebnis:
Eher Stillstand statt Wachstum – eher leichte Schrumpfung statt Mehrung.
Ja, die Bürgermeister sind auch nicht mehr das was sie einmal waren:
Autorität ade – Glaube ade – Vertrauen ade!
Er leuchtet hinter die Kulissen und sucht unter der Oberfläche. Wenn im bayerischen Landtag ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wird, ist unser MdL Harald Güller dabei. Er hält es mit dem Lukasevangelium, wo es heißt: „Suche, und du wirst finden, klopfe an, und es wird dir aufgetan.“
Ich begrüße einen Mann, der Jahre dem Gemeinwohl gedient hat und sich dabei verdient gemacht hat – auch um Stadtbergen. Ich begrüße ganz herzlich unseren Altlandrat
- Dr. Karl Vogele
Bürgermeister wohin ich seh‘ – Bürgermeister so weit das Auge reicht.
Erste Bürgermeister, Zweite Bürgermeister, Dritte Bürgermeister,
sogar ein Vierter Bürgermeister weilt unter uns.
Aktive Bürgermeister, gewesene Bürgermeister und werdende Bürgermeister, deren Namen ich wohl kenne, sie wohlweislich aber verschweige.
So heiße ich herzlich willkommen:
- den Bürgermeister unserer Nachbarstadt Neusäß Hans-Jörg Durz
- seine Vertreter Richard Greiner und Willi Kugelmann
- den Bürgermeister Bernhard Kisch aus Wilburgstetten, der früher ja einmal bei uns im Rat vertreten war
Ich begrüße
- die frisch gewählte Bürgermeisterin von Gessertshausen Claudia Schuster
- und meinen alten Freund Franz Neher, 1. Bürgermeister aus Tierhaupten
- sowie Jürgen Schantin, 1. Bürgermeister aus Gersthofen
- den 2. Bürgermeister Otto Högg aus Diedorf
- und den 2. Bürgermeister Norbert Schwalber aus Königsbrunn
Wie auch in den vergangenen Jahren sind gekommen die Altbürgermeister
- Dr. Manfred Nozar
- Hans Merk
- Günther Würmseher
- Max Rindle
und
- Toni Mayer
Ich heiße die Mitglieder des Stadtberger Stadtrates willkommen mit
- 2. Bürgermeister Paulus Metz und
- 3. Bürgermeister und Kreisrat Paul Reisbacher sowie unserer
- Stadt- und Kreisrätin Carolina Trautner.
- Ich begrüße die Kolleginnen und Kollegen aus der Augsburger Kommunalpolitik.
Ich freue mich sehr über Ihren Besuch – dies ist keine Floskel, habe ich doch die Augsburger Kolleginnen und Kollegen, stets als fair und aufgeschlossen kennengelernt.
Dass der Oberbürgermeister mir allerdings mit seinem Go-Kart bei der Einweihung der B 17-Kreuzung auf und davon fuhr, habe ich mehr erlitten als erfahren.
Der Grund – das sei hier ein für alle Mal festgestellt – lag nicht darin, dass ich der schlechtere Fahrer bin, sondern darin, dass er doppelt so schwer ist wie ich und nahezu doppelt so groß. Von Waffengleichheit keine Spur – ich fordere Revanche und werde dafür den Kollegen Herbert Woerlein oder Paulus Metz schultern.
Wie immer ist
- Theo Gandenheimer gekommen, der gefühlte 2. Bürgermeister der Stadt Augsburg.
Zum 1. Mal in dieser erlauchten Runde ist
- Augsburgs realer 3. Bürgermeister Peter Grab vertreten.
Herzlich willkommen!
Herzlich willkommen auch die Fraktionsvorsitzenden aus dem Augsburger Stadtrat
- Beate Schabert-Zeidler und Dr. Stefan Kiefer
Ich begrüße ganz herzlich die Vertreter der Geistlichkeit:
- Herrn Pfarrer Konrad Huber
- Herrn Pfarrer Remmele
- Herrn Pfarrer Weiner
- Herrn Pfarrer Wemhöner
Im Vergleich zu seinen katholischen Kollegen lebt Pfarrer Weiner von der evangelischen Friedenskirche auf einer Insel der Seligen.
Nicht dass die Protestanten in Stadtbergen die bräveren, die umgänglicheren oder gar die frömmeren Menschen wären.
Nein, aber er hat eine Pfarrei, seine Pfarrei und die Gläubigen haben ihren einen Priester.
Anders die Gemeinschaft von vier Pfarreien bei den Katholiken. Wo vormals vier Pfarrer eigenständige Verantwortung trugen, wird heute ein Oberhaupt von drei Unterhäuptern unterstützt, die zudem noch weitere Tätigkeiten haben.
Die Tätigkeit des Oberhauptes trägt zweifellos managerhafte Züge, wobei es fast wundersam anmutet, dass darin der Seelsorger immer noch und immer wieder hervortritt.
Ob diese Entwicklung der Kirche insgesamt guttut, weiß der liebe Gott besser als seine Menschenkinder.
Ein alter Bekannter mit jugendlichem Flair ist
- Prof. Dr. Harzmann, Augsburger Stadtrat und langjähriger Betreuer unserer ärztlichen Vortragsreihe.
Sein Amt hat übernommen
- Prof. Dr. Mueller, Chefarzt am Augsburger Zentralklinikum.
Beiden sage ich ein herzliches Grüß Gott.
Ich habe die Schrumpfung der Geburten- und Kinderzahlen angesprochen.
Dies werden auch unsere Kindergärten, Krippen und Schulen zu spüren bekommen, deren Leitungen ich begrüße, mit den Rektorinnen
- Karin Fink und Monika Scherer an der Spitze.
Welch ein Wandel der schulischen Landschaft in den letzten 30, 40 Jahren. Ich erinnere mich noch an Klassen mit deutlich über 40 Schülern. Später, bei 25 bis 30, kam man sich schon wie verloren vor. Wenn die Schülerzahlen pro Klasse demnächst gegen 0 tendieren, wird sich eine neue faszinierende Perspektive auftun. Die Lehrer können sich dann selbst unterrichten und dabei erstaunliche Ergebnisse erzielen.
- Ich grüße alle Vertreter der Wirtschaft, des Stadtberger Handels und Gewerbes, der Banken und Sparkassen, der Verbände und Organisationen
Stellvertretend nenne ich
- Max Schuster, der zur Zeit das Herz von Neusäß umgestaltet,
- Richard Fank, Vorstandsvorsitzender von der Kreissparkasse Augsburg
- Dr. Heinz Münzenrieder und Hans Scheiterbauer-Pulkkinen von der Arbeiterwohlfahrt
sowie
- Helmut Jung, den Kreisvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Ich heiße herzlich willkommen die Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
- Herrn Wolfgang Sailer und Herrn Reinhold Hoyer
und freue mich ganz besonders, dass der bisherige Leiter
- Herr Anton Högenauer zu uns gefunden hat.
Ich begrüße den Geschäftsführer der Waldhausklinik in Deuringen
- Herrn Dr. Tobias Romeyke
Was wäre Stadtbergen heute ohne die früheren Gemeinde-, Markt-, und Stadträte?
Sie sind in großer Zahl gekommen. Stellvertretend für alle nenne ich den früheren Leitershofer Bürgermeister
- Georg Weihmayer.
Wenn manche Menschen das Wort Verein hören, denken sie vielleicht an Vereinsmeierei, Vereinshuberei, Vereinsheini, Vereinsmeier, Vereinshuber.
Fraglos denken diese Leute eher despektierlich, das heißt sie schauen herab auf Menschen, die sich der Arbeit in den Vereinen und Organisationen widmen. Eher scheint es mir geboten, zu solchen Menschen aufzuschauen, die weniger von der Gemeinschaft als für die Gemeinschaft leben.
Die Vorstände, Abteilungsleiter, Übungsleiter der Sportverbände, die Vorstände der Kirchengemeinden, der Sozialverbände, der kulturellen und gesellschaftlichen Vereinigungen.
Stellvertretend nenne ich die ARGE-Vorsitzenden:
- Roland Mair, Gerhard Heisele und Gerhard Kuner
Wie immer ist auch die Kultur gewichtig vertreten. Stellvertretend heiße ich
unseren Kulturreferenten,
1. Horst Brunner
den Schriftsteller,
2. Peter Dempf
die Autorin und Schauspielerin,
3. Ulla Kling
den früheren Bezirksheimatpfleger und Museumsdirektor,
4. Prof. Hans Frei
einen Freund der Wissenschaft, des Buches, der Geschichte, einen Freund der Heimat, keinen Feind der Sauna oder gar der Frauen,
5. Prof. Dr. Walter Pötzl,
Kreisheimatpfleger
und natürlich den Dirigenten von Weltrang
6. Bruno Weil
willkommen.
Unsere Verwaltung hat 5 Ämter, deren Leiter ich begrüße:
- Stephan Hauke, der als Haupt über allen thront
- Ulrich Lange, der für das Bauen zuständig ist
- Holger Klug, der lieber Einnahmen als Ausgaben verwaltet
- Barbara Tietböhl, die ihren Ruf als eiserne Lady im Ordnungsamt rechtfertigt
- Hans Niedermair, bei dem der Rest angesiedelt ist, der von der Kultur über Sport bis zum Sozialen reicht (deshalb kein Resteverwerter…)
Was wäre ein solcher Empfang ohne Presse.
Im eigenen Saft würden wir schmoren.
Davor bewahren uns
- von der Augsburger Allgemeinen Zeitung, Frau Marleen Singer und Herr Christian Doser
- von der Stadtzeitung, Frau Ingrid Strohmayr
- vom Stadtberger Boten, Herr Gunnar Olms
- von den Schwäbischen Nachrichten, Herr Karl Heinz Helmer
Stadtbergen – quo vadis
Das politische Geschehen in einer Stadt, in einer Gemeinde ist geprägt durch ein Auf und Ab, ein Kommen und Gehen, durch ruhiges Fahrwasser und stürmisches Fahrwasser.
Ich habe alle Nuancen kennengelernt, die Ruhe, den Sturm, die Ruhe vor dem Sturm, die Ruhe nach dem Sturm und auch den Sturm nach dem Sturm.
Stürmische Zeiten zeitigen in der Gemeindepolitik nicht unbedingt gute Ergebnisse.
Der Sturm absorbiert und bindet Kräfte, die für das Gute fehlen können. „In der Ruhe liegt die Kraft“, heißt ein Sprichwort. Ruhe gepaart mit Kreativität, mit Ideenreichtum scheint mir eine gute Kombination zu sein. Ruhe steht gegen Unruhe, Respekt gegen Respektlosigkeit, Miteinander gegen Gegeneinander, Gelassenheit gegen Eiferertum, Kollegialität gegen Unkollegialität.
Wo liegen wohl die Schwerpunkte einer erfolgreichen Kommunalpolitik? Die guten Zeiten in Stadtbergen waren die des Miteinanders, der Kollegialität und des Respekts voreinander.
Glaubt irgendjemand, wir hätten in der vergangenen Wahlperiode die Stadterhebung erreicht im Gegeneinander, im Eiferertum, in der Unkollegialität, in der Selbstdarstellerei?
Alle haben an einem Strang gezogen; unter kräftiger Mithilfe von Max Strehle und Karl Vogele und natürlich auch Günther Beckstein, der damalige bayerische Innenminister und spätere Ministerpräsident.
Wir haben damit den Gipfel der kommunalen Entwicklung erreicht. Da leuchtet doch in ganz weiter Ferne – schemenhaft – ein noch höherer Gipfel.
30.000 Einwohner würde bedeuten – große Kreisstadt.
30.000 Einwohner, es gäbe schon ein Motiv diese Zahl anzustreben:
Der Bürgermeister hieße da nicht mehr Bürgermeister, sondern Oberbürgermeister.
Der Stadtberger Oberbürgermeister zu Gast beim Neusäßer Bürgermeister, könnte eine Meldung heißen.
Unsere Bürgerschaft wäre sofort Feuer und Flamme.
Ein Bürgermeister mit dem Titel Oberbürgermeister würde abfärben auf sie, würde sie trunken machen vor Begeisterung und Stolz.
Tut alles um dieses Ziel zu erreichen, würden sie rufen.
Baut Wohnsilos in die Landschaft, nützt jeden Quadratmeter aus, ruft Menschen aus aller Herren oder Frauen Länder nach Stadtbergen.
Weiße und Gelbe, nicht Schwarze und Rote, sondern Schwarzhäute und Rothäute; ich allerdings werde dieses Ziel nicht mehr ansteuern und überlasse diese bahnbrechende Zukunftsaufgabe meinen Nachfolgern.
Irgendwann wird eine neue Gebietsreform anstehen.
Augsburg wird, wie in der Vergangenheit auch, auszugreifen suchen - nach Süden, Westen und Norden. Überall Gegenwehr – am stärksten im Westen und im Südwesten. Eine starke Allianz wird sich gebildet haben; mit einer Einwohnerzahl von fast 50.000.
„Die Neustadt“ lautet ihr Name.
Zurückzuführen auf Diedorf, Neusäß, Stadtbergen.
Welch ein Schub nach vorn für alle Drei. Stadtbergen hätte plötzlich ein Gymnasium, Diedorf einen Bürgersaal und Neusäß zwei stattliche Schönheiten, die seine 8 Ortsteile prächtig befruchten würden.
Fraglich wäre nur der Sitz der Verwaltung.
Ich würde ganz uneigennützig und objektiv für Stadtbergen stimmen, weil wir das schönste Rathaus, die schönste Verwaltung und die allerschönsten Stadträtinnen haben.
Sie merken schon, meine Damen und Herren, in dieser Vision steckt auch ein Funken Ernst.
Zu den Finanzen.
Stadtbergen ist es gelungen, trotz gewaltiger Investitionen in Höhe von annähernd 75 Millionen Euro in den letzten 10 Jahren, seine Schulden Jahr um Jahr zurückzuführen.
Von 17 Millionen Euro im Jahr 2004 auf knapp 13 Millionen Euro im Jahr 2010.
Dennoch liegt nach wie vor unsere Verschuldung über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte und Gemeinden in Bayern.
Sie kennen die Fabel von der üppig lebenden Stadtmaus und der sparsamen und genügsamen Feldmaus.
Ich vergleiche Stadtbergen eher mit der Feldmaus, wenn wir rein örtlich natürlich ziemlich nahe an der Stadtmaus sind.
Die Feldmaus bricht auf, zu einem Besuch bei der Stadtmaus, spaziert mit ihren Jungen über das Feld bei der Kornstraße in Richtung Göggingen, wird auf wundersame Art gefangen genommen und landet als Fundartikel im Tierheim.
Rechner werden angeworfen, im Internet wird recherchiert, bundesweit wird telefoniert, Ärzte werden konsultiert, Tetanus-, Diphtherie-, Keuchhusten-, Röteln-, Pest- und Choleraimpfungen verabreicht. Die Kleinen erhalten zusätzlich noch eine Mumps-Prophylaxe und dann wird die Rechnung geschrieben, wobei der 2,3-fache Satz für Privatpatienten angesetzt wird.
Summa Summarum beläuft sich der Betrag auf 1.200,-- Euro.
Im Übrigen wurde Mäusemama mit Kindern artgerecht in einem Käfig, der mit Samt und Seide ausgekleidet war – auf dass alle etwas Feines zum Nagen hatten – per Geländewagen wieder in ihre Heimat, auf das Feld bei der Kornstraße gefahren, auf dass sie nicht irgendwo auf fremder Flur einen Schock erlitten, den man psychiatrisch behandeln hätte müssen, was aus einer immerhin noch kostengünstigen Aktion eine doch kostenträchtige gemacht hätte.
Eine Aktion, über die nicht nur der Herr Deibl von der Augsburger Allgemeinen berichtet hätte, sondern vielleicht sogar der Herausgeber der „Zeit“, Helmut Schmidt, der als Weltökonom gewiss den wirtschaftlichen Input und Output von Kost und Logis der Tierchen hätte berechnen können.
Auch galt es den Familiensinn der Mäuse zu berücksichtigen, denn bei längerem Ausbleiben seiner Lieben hätte der Mäusepapa vielleicht eine andere Gefährtin sich zugelegt – Mäuse sollen ja im Gegensatz zu Menschen eher polygam veranlagt sein – und Mäusemama wäre als Alleinerziehende mit ihren Mäusekindern arm wie eine Kirchenmaus da gestanden, bis vielleicht ein alleinerziehender Papa sich erbarmt hätte und die beiden eine moderne Patchwork-Family gebildet hätten.
Alles in Allem waren somit die gerademal 1.200,-- Euro sinnvoll und artgerecht angelegt.
Wage es niemand Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sprich Mäuse mit Menschen. Wer behauptet, mit 1.200,-- Euro könnte man ein bedürftiges Kind 400-mal mit einem warmen Mittagessen versorgen, den zeihe ich der Polemik und der Herzenskälte. Man müsste ihn eigentlich allein schon wegen der gedanklichen Vernachlässigung des Tierschutzes vor den Kadi zitieren.
Auch der Hamster gehört zur Spezies der Mäuse. Hamster zeichnen sich dadurch aus, dass sie für die Zukunft Rücklagen bilden.
So ist es auch bei uns, wir können uns auch in Zukunft etwas leisten, weil wir in der Vergangenheit etwas geleistet haben. Wir haben überwiegend vom Bund, aber nicht nur vom Bund, günstig Grund und Boden erworben, über 800.000 m². Teile davon können wir als Bauland verwerten, so in Deuringen, so im Fryar-Circle.
Den Erlös daraus gilt es nicht trunken vor finanziellem Glück in ein Projekt zu stecken. Es gilt vielmehr mit Bedacht zu wirtschaften, es gilt vielmehr über das Morgen hinaus an das Übermorgen zu denken.
Vorausschau und Visionen sind wichtige Kriterien einer guten Politik, gerade in den Städten und Gemeinden.
Das Morgen wird uns eine neue Sporthalle bringen, eine Dreifachhalle, die den wesentlichen Ansprüchen des Sports genügen muss und genügen wird. Vor allen Dingen den Ballsportarten, wie Volleyball, Fußball oder Basketball.
Turnen sollte nach meiner Überzeugung in der Osterfeldhalle verbleiben. Sport ohne Zuschauer ist wie Suppe ohne Salz. Wir werden Zuschauerplätze in ausreichender Zahl schaffen. Eine feste Bühne wird nicht installiert, wohl aber wird es für Großereignisse, für die der Bürgersaal zu klein ist, eine mobile Bühne geben.
Wenn dereinst dieser Jahresempfang so populär wird, dass 1000 und mehr Bürger zu ihm drängen, um dem Bürgermeister zuzujubeln oder ihn gar auszubuhen, wird dieses Jubelfest bzw. diese Missfallenskundgebung in der neuen Halle stattfinden.
Ebenso wie große kulturelle Veranstaltungen.
Nach meiner Meinung sollte sie gebaut werden bei unserer Sportanlage, wo wir vor Jahr und Tag in weiser Voraussicht Grund und Boden erworben haben. Der Platz liegt zentral zwischen den drei Ortsteilen Stadtbergen, Deuringen und Leitershofen.
Städtebaulich ist die Halle dort allerdings nicht unproblematisch, stellt sie doch einen massiven Baukörper dar, den in die Landschaft einzupassen eine hohe architektonische Herausforderung bildet. Wir haben alle Vereine, Gruppen und Organisationen und auch die Jugend aufgefordert, ihre Anliegen und Erwartungen an diese Halle zu artikulieren. Wir bemühen uns Politik nicht an den Bürgern vorbei zu gestalten, sondern mit den Bürgern.
Die gesammelten Wünsche würden sich incl. Außenanlagen mit Parkplätzen allerdings auf 10 Millionen Euro belaufen.
Der Kämmerer hat geweint, ob dieser Summe. Mit tränenerstickter Stimme und tränenumflortem Antlitz warf er sich auf die Knie und flehte uns an um finanzielles Augenmaß.
Anderenfalls werde er in den Kniestreik sinken, dem sich bald seine Abteilung anschlösse, dann vielleicht das ganze Rathaus. Wie ein Flächenbrand würde sich der Kniestreik über Bayerns Städte und Gemeinden ausbreiten.
Immer mit dem Ziel, das weiland Bayerns oberstes Finanzgenie Edmund ausgab: Ausgeglichener Haushalt!
Sein Genius ließ ihn einstens an Büchergeld sagenhafte 20 Millionen Euro einsparen, womit er an den Schulen eine Welle wüster Bürokratie auslöste.
Rasch und unbürokratisch warf er dann, zusammen mit anderen, einigen dubiosen Bänkern und Politikern 3.700 Millionen Euro in den Rachen.
Gramgebeugt und voll Demut und Reue trat er schließlich vor sein Volk und seufzte: Mea culpa, mea culpa, mea minima culpa.
Die Belohnung folgte auf den Fuß. Edmund wurde zum höchsten Bürokrateur in Brüssel ernannt.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: ein Bürokrateur ist keiner, der Bürokratie aufhäuft, wie der bayerische Edi, ein Bürokrateur ist einer, der Bürokratie abbaut, wie der europäische Edi.
Er soll doch tatsächlich 3 europäische Verordnungen von 3 Kommas und 2 Semikolons entrümpelt haben.
Wir müssen nicht nur bei dieser Halle das rechte Maß einhalten, einem Gewichtheber gleich, der eine Last nicht nur zu stemmen weiß, sondern auch zu halten versteht, der sich bewusst ist, dass diese Last ihn zwar in besonderen Maße fordert, er aber Kraft und Ausdauer benötigt, für weitere Herausforderungen.
Schule, Betreuung und Bildung gilt unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Kann man Bildung und Betreuung kaufen nach dem Motto: je mehr Geld wir investieren, desto mehr Bildung und Betreuung werden herauskommen.
Es gibt nicht wenige, gerade unter den Politikern, die an diese Kausalität glauben. Auch wir in Stadtbergen werden in naher Zukunft viel Geld in die Hand nehmen um gerüstet zu sein für die kommenden Aufgaben.
Ganztagsschule heißt ein Zauberwort.
Schüler besuchen ihre Schule vormittags und nachmittags, aber nicht in dem Sinn, dass sie von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags büffeln und streben, wie die Schüler in Shanghai, nein, diese Zeit ist selbstverständlich aufgelockert durch sinnvolle Freizeitbeschäftigung und gemeinsames Mittagessen.
Eine Lebensform, die manche Kinder zum ersten Mal in der Schule kennenlernen.
Ganztagsschule nur für die Schwächeren? Für die bildungsfernen Schichten, wie es so unschön heißt?
Auf keinen Fall!
Die Ganztagsklassen würden sofort abgestempelt, in eine bestimmte Ecke gedrängt. Unsere Schule achtet sorgsam darauf, dass diese Klassen eine gute Mischung repräsentieren:
Aus begabten und weniger begabten Kindern, aus braven und weniger braven Kindern, von denen es sogar in Stadtbergen welche geben soll.
Das Ziel, eine Ganztagsklasse in jeder Jahrgangsstufe, auch und vor allen Dingen in der Grundschule, werden wir in einigen Jahren erreichen.
Der Anfang mit 2 Klassen in 2 Jahrgangsstufen ist gemacht.
Unsere Schule war in Sachen Ganztagsschule zweifellos Vorreiterin. Herzlichen Dank an die Kollegen und die Rektorin.
Sie sehen, das Motto lautet nicht:
„Jedem das Gleiche“, sondern „Jedem das Seine“.
Der Ausbau der Ganztagsschule wird uns ca. 2,5 Millionen Euro kosten.
Damit sind erst die Voraussetzungen gegeben, für eine fruchtbare Bildungs- und Erziehungsarbeit, keineswegs die Bildungs- und Erziehungsarbeit selbst.
Sie muss von den Lehrern und Pädagogen geleistet werden, deren Aufgabe in unseren Tagen deutlich schwieriger ist als in vergangenen Tagen.
Scheidungskinder, Kinder von Alleinerziehenden, überforderte und unterforderte Kinder, in Luxus, aber auch in Armut verwahrloste Kinder, ausländische Kinder, Migrantenkinder bevölkern die Klassen.
Sie alle haben einen Anspruch auf Bildung und Erziehung, ausnahmslos alle.
Keines von ihnen kann etwas für seine Herkunft, für seine Lebensumstände, für seine familiären Umstände.
Wir müssen unsere Kinder so annehmen wie sie sind und nicht so wie wir sie gerne hätten.
„Kommt, lasst uns unseren Kindern leben“, sagt der Begründer des Kindergartenwesens Friedrich Fröbel.
„Den Kindern leben“ – will heißen für die Kinder, mit den Kindern leben. Diesen Satz möchte man manchen Eltern ins Stammbuch schreiben.
Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, die sie sich selbst überlassen, die nicht eine warme Mahlzeit am Tag auf den Tisch bringen, ihre Kinder ohne Brotzeit zur Schule schicken. Die glauben, mit materiellen Zuwendungen ideelle Zuwendung und Herzenswärme ersetzen können und Eltern, die von Ehrgeiz zerfressen ihre Kinder permanent überfordern.
Ich prophezeie, dass diese Erscheinungen eher noch mehr zunehmen als abnehmen werden. Die Gesellschaft, der Staat wird darauf reagieren müssen, mit einem noch höheren Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten, mit kleineren Klassen, mit mehr Schulsozialarbeit, mit Ganztagsklassen, mit Mehrbetreuung in Ferien und Freizeit.
„Es stellt sich die Schule mit der Familie in das Leben der Jugend“, hat der große preußische Philosoph Friedrich Hegel gesagt.
„Durch das gemeinschaftliche und übereinstimmende Handeln der Lehrer und Eltern kann allein etwas Wirksames zustande kommen“.
Hegel lebte vor über 200 Jahren. Was Hegel wohl heute sagen würde, zur Gewichtsverlagerung, weg vom Elternhaus hin zur Schule, letztlich hin zu Staat und Gesellschaft?
Stadtbergen ist eine alternde Stadt.
Überdurchschnittlich viele ältere Bürger, unterdurchschnittlich viele junge Bürger wohnen hier.
Wir haben zwei Altenheime:
Das Schlößle der Diakonie und die Dr.-Georg-Frank-Stiftung.
Zusammen haben sie 250 Plätze überwiegend im Pflegebereich.
Das Durchschnittsalter in beiden Einrichtungen liegt bei 87 Jahren. Der Trend zu höherem Alter erscheint ungebrochen, das heißt, es wird künftig noch mehr Alte geben als heute und damit auch mehr kranke, mehr gebrechliche und mehr demente Menschen.
Dies ist keine Stadtberger Entwicklung – dies ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung.
Als Stadt dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen, wir müssen sie denen reichen, die für die älteren Menschen tätig sind und tätig sein wollen.
- Ich nenne unseren Seniorenbeirat
- Ich nenne unsere Sozialstation der Diakonie
- Ich nenne unsere sozialtätigen Organisationen, wie Arbeiterwohlfahrt, VdK, BVSV
- Ich nenne unsere Vereine, die besondere Programme für Senioren haben
- Ich nenne das Generationenhaus am Schlaugraben, das wir zusammen mit Arbeiterwohlfahrt und der WBL auf den Weg bringen
- Ich nenne das Familienbüro, das wir zusammen mit dem Landkreis einrichten werden
- Ich nenne die Seniorenarbeit der evangelischen und katholischen Kirche, von denen auch viele geistige Anregungen ausgehen
Auf Dauer wird dieses Netz nicht ausreichen, es muss noch engmaschiger geknüpft werden. Bei meinen vielen, vielen Besuchen bei alten Leuten, es mögen seit meinem Amtsantritt an die 3000 sein, erfahre ich nahezu ausnahmslos, dass die Menschen so lange wie möglich in ihren 4 Wänden verbleiben wollen. Ich habe aufopferungsvolle Betreuung in den Familien ebenso kennengelernt, wie Anzeichen von Überforderung. Hilfe, die von außen kommt, muss professionell sein, kann aber auch durch das Ehrenamt ergänzt werden.
Wir haben eine forsche junge Familienministerin, Christina Schröder, die einem sozialen Jahr das Wort redet und zwar nicht nur für junge Leute, sondern auch für ältere Menschen.
Sollte dieses Wort auf fruchtbaren Boden fallen, sehe ich Chancen für eine erweiterte Seniorenbetreuung. Ich habe vor einigen Jahren bei der Ausweisung unseres Deuringer Baugebietes ein Modell für einheimische Familien angeregt und dafür die Zustimmung des damaligen Marktgemeinderats erhalten. Nach reiflicher Überlegung bin ich dafür, dass wir bei den anstehenden Baugebieten Phantasie walten lassen: für die Ansiedlung junger Familien, ebenso wie für seniorengerechte Planungen. Beide sind wichtige Stützen unserer Gesellschaft. Wir tun gut daran, sie zu unterstützen.
Alle Entwürfe gehören auf den Prüfstand. Betreutes Wohnen zuhause, Seniorenhausgemeinschaft, Versorgung in den eigenen 4 Wänden, ambulant betreute Wohngemeinschaften, ambulante Hausgemeinschaften und natürlich auch familiengerechtes kinderfreundliches Wohnen.
Können wir uns moderate Preisnachlässe für Familien leisten, lautet eine Frage.
Welche seriösen Bauträger haben Interesse für familiengerechtes und seniorengerechtes Bauen?
Ausdrücklich bitte ich unsere WBL, die Kreiswohnungsbaugesellschaft, bei der wir einer der größten Gesellschafter sind, ins Boot.
Lösungen, die mehrere Generationen zusammenführen, was nicht unbedingt unter einem Dach bedeutet, würden uns, glaub ich, gut gefallen.
Honorieren wir mit solchen Vorhaben gerade die Generation, die unendlich viel für den Aufbau unseres Landes geleistet hat.
Honorieren wir auch diejenigen, die mit ihren Familien, mit ihren Kindern die Zukunft unseres Landes gewährleisten.
Beide haben es verdient.
Seit Beginn meiner Amtszeit liegt mir ein Feld der Kommunalpolitik besonders am Herzen – die Baupolitik.
Quo vadis Stadtbergen? – lautete schon damals vor 20 Jahren die Frage.
Geht Stadtbergen den Weg der maximalen Ausweisung von Baugebieten, den Weg zu einer maximalen Verdichtung innerhalb dieser Baugebiete, den Weg zu einer höchstmöglichen Ausschöpfung von Gewerbeflächen, letztlich den Weg zu einer verwechselbaren Vorstadtgemeinde im Vorfeld von Augsburg?
Oder bewahrt sich Stadtbergen den Charakter einer unverwechselbaren Gemeinde bzw. Stadt am Rande von Augsburg mit viel Licht, mit viel Luft, viel Grün, viel freiem Raum.
Unsere Karten dafür waren und sind von den reinen Zahlen und Fakten her nicht die Besten.
Wir sind flächenmäßig ein Zwerg, bevölkerungsmäßig ein Riese.
Unsere Fläche beträgt gerademal 1.100 ha – unsere Bevölkerungszahl knapp 15.000.
Damit sind wir fast die dichtest besiedelte Kommune im Landkreis Augsburg.
Ich habe immer darauf geachtet, dass kein Gefühl der Enge, gar der Beklemmung aufkommt.
Die Menschen, mit denen ich zusammenkomme, bestätigen mir:
Herr Fink, wir leben so gerne in Stadtbergen, wir schätzen die freie Landschaft, die Natur, den Wald in unmittelbarer Nähe. Sie doch auch, meine Damen und Herren?
Dieses Stadtberger Heimatgefühl zu bewahren und zu stützen, war mir ein wichtiges Anliegen. Es galt die anderen Anliegen, die Anliegen von Spekulanten, windigen Bauträgern und Immobilienhaien abzuwehren. Es galt Wünsche auf Baulandausweisung zur Unzeit zurückzuweisen.
Es galt, unpassenden Bauformen und Gestaltungsmerkmalen die Genehmigung zu verweigern.
Nicht immer waren wir erfolgreich - es gibt zweifellos auch Bausünden. Meistens allerdings hatten wir Erfolg mit unserer Arbeit im Bauausschuss und im Stadtrat und konnten nicht nur lässliche Sünden verhindern, sondern auch Schlimmeren.
Quo vadis – Stadtbergen in der Baupolitik
Es gibt zweifellos noch Flächen die entwickelt werden können, aber nicht entwickelt werden müssen. Jetzt oder in naher Zukunft – es gilt mit Bedacht an sie heranzugehen. Nicht das Wohl von Einzelnen ist entscheidend – sondern das Gemeinwohl – das Wohl unserer Stadt
Stadtbergen. Nicht nur das Wohl derer, die kommen wollen, gilt es zu beachten, sondern auch das Wohl derer, die da sind.
Somit plädiere ich weiterhin für eine eher restriktive Baupolitik, plädiere ich weiterhin für die Einhaltung von Gestaltungskriterien, die einen Ort, eine Stadt so nachhaltig prägen. Stadtbergen ist aus meiner Sicht gut damit gefahren!
Das Einfügen in eine vorhandene Bebauung halte ich für wichtig, wenn auch die Vorschriften hierzu deutlich liberalisiert wurden. Das Ortsbild als solches sollte einigermaßen stimmig sein. Architektonische Experimente könnten gewagt werden in dafür vorgesehen Bereichen.
In einem Punkt widerspreche ich aus innerster Überzeugung der Meinung der Mehrheit des Stadtrats:
Man hat die maximale Höhe von Zäunen von 1,30 Meter auf 1,60 Meter erhöht. Das kann ich gerade noch mittragen.
Nun soll zusätzlich noch das Material der Zäune völlig freigegeben werden und auch total geschlossene Einfriedungen ermöglicht werden.
Dies würde eine Abschottung des privaten Raumes vom öffentlichen bedeuten und umgekehrt eine Abschottung des öffentlichen Raumes vom privaten, dies unter Umständen mit potthässlichen Materialien von irgendwelchen Baumärkten.
Ich rechne allerdings mit der Vernunft der Bürger, die diese Freiheit zur Verunstaltung nicht wahrnehmen wollen.
Es gibt sogar Stimmen, die zwei Meter hohe geschlossene Zäune zulassen wollen.
Um zu sehen, was draußen vor sich geht, empfehle ich in diesem Fall neben Sichtscharten in den Zäunen Hochsitze oder Aussichtstürme in den Gärten zu errichten. Auch eine Ausformung als Kletterzaun wäre denkbar. Solche Anlagen könnten vom Kinderschutzbund das Prädikat „Der kinderfreundliche Zaun im kinderfreundlichen Garten“ bekommen.
Es gibt Felder der Kommunalpolitik, bei denen wir froh sind, wenn wir morgen den Standard von heute halten können. Ich denke an den kulturellen Bereich, den ein älterer gereifter Musensohn mit nicht wenigen, jüngeren reifenden Musentöchtern gestaltet. Der gereifte Musensohn ist kein geringerer als Horst Brunner, die reifenden Musentöchter sind junge Damen, die im Vordergrund wie auch im Hintergrund als sogenannte Horstessen wirken.
Horst Brunner ist in unserem Bürgersaal für ein Programm verantwortlich, das zum einen Eigenständigkeit aufweist, andererseits auch eine Nische ausfüllt zwischen den großen Städten Neusäß und Gersthofen.
In Sorge um die Zukunft unseres Kulturprogramms richtete ich an Horst Brunner die Frage: „Mein lieber Horst, wie lange gedenkst du deine Arbeit allhier fortzuführen?“
Worauf er mir als Antwort beschied:
„Bis dass der Tod uns scheidet“
Auf weiteres Nachfragen habe ich verständlicherweise verzichtet.
Ein weiteres Feld, wo wir mit dem Erreichten zufrieden sein können und wo wir von vielen beneidet werden, ist der öffentliche Personennahverkehr:
Vertakteter Busverkehr in allen Ortsteilen, Anrufsammeltaxi, Nachtbus, 2 Straßenbahnen nach Stadtbergen, wobei die 3er das Herzstück bildet, ist ein Standard, der in vielen Verhandlungen erreicht und gehalten werden konnte.
Bei einer Stadtbesichtigung hat Landrat Martin Sailer unseren Standpunkt geteilt, was den Erhalt der Straßenbahn betrifft. Bei diesem Anlass wurde ich eingeweiht in ein Geheimkomunique zwischen Stadt und Landkreis.
Sollte bis in 20 Jahren die Mobilitätsdrehscheibe sich weder durch Mobilität noch Drehung hervortun, könnte man gleich neu planen und ein integriertes U-Stra-Bu-Netz entwickeln.
U-Bahn, Straßenbahn, Busnetz
Wegen seiner überregionalen Bedeutung hätte der U-Bahn-Anschluss von Stadtbergen höchste Priorität, gefolgt von Gersthofen und Neusäß. Die Dauer der Planungen läge bei gefühlten 19 Jahren, die Realisierung bei weiteren 13 ½ Jahren. Mithin könnte das Werk exakt am 30. Juni 2063 verwirklicht sein.
Lange Vorlaufzeiten hat nicht nur der Stuttgarter Hauptbahnhof, sondern in einem Teil auch der Lärmschutz an der B 17. Wir sind hochzufrieden mit der Gestaltung der Leitershofer Kreuzung.
Meine Damen und Herren,
ohne unsere Stadtberger Initiative, der sich Augsburg anschloss, die Landtagsabgeordneter Max Strehle kompetent und nachdrücklich im Innenministerium vertrat, ohne dieses Zusammenspiel der Kräfte würde die ganze Kreuzung 4 Meter höher liegen als jetzt. Man stelle sich dieses Monstrum in der Landschaft vor und das für alle Zeit.
Im Zusammenspiel der Kräfte – nicht in der Konfrontation- konnte diese schon fertige Planung gekippt werden.
Wenn diese Straßenkonfiguration hält, was sie verspricht, dann könnte sie bis weit in die 2 Hälfte dieses Jahrhunderts bestehen, dann haben wir schon ein bisschen Straßenbaugeschichte geschrieben.
Hochzufrieden können wir auch mit dem Lärmschutz beim Fryar-Circle sein.
Der Lärmschutz südlich der Bismarckstraße hinkt sichtbar und hörbar.
2004 war es, als wir unter der Federführung von Eduard Oswald eine Lösung mit nach Hause brachten, die allen gefiel. Eduard Oswald hat uns auch beim erweiterten Lärmschutz in diesem Bereich unterstützt. Jetzt sind 7 Jahre ins Land gegangen, in denen geplant und umgeplant und erörtert wurde, in der in der Praxis noch keine Baggerschaufel bewegt wurde. Manchmal bewundere ich den Langmut und die Geduld gerade der Anwohner dort, wo der Verkehr wahrlich lärmt und tost.
Nicht „Eile mit Weile“ ist angesagt, sondern „Eile mit Eile“.
Sehr zufrieden können wir sein mit unseren Beziehungen in alle Welt, mit unserer Internationalität, mit unseren Beziehungen und Freundschaften nach Japan, nach Frankreich, ins Erzgebirge, nach Tschechien, nach Italien und nach Togo.
Kürzlich erreichte unseren Partnerschaftsverein gar ein Partnerschaftswunsch aus dem Wüstenstaat Katar. Die 11 Bewohner einer Oase inmitten der Wüste würden gerne das Stadtberger Kultur- und Kunstleben kennenlernen und böten als Gegenleistung Kurse im Kamelreiten an. Peter Dambacher hat die Offerte an die Fußballabteilung der TSG Stadtbergen weitergereicht, damit diese ihre Fühler für die Fußballwinterspiele im Jahre 2022 ausstrecken könnten.
Völkerverbindung und Völkerfreundschaft auf der unteren Ebene, auf der Ebene von Kommunen, auf der Ebene verschiedener Gemeinschaften und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger untereinander, sind letztlich Leuchtzeichen des Friedens. Diesen Frieden wünsche ich Ihnen, meine Damen und Herren, wünsche ich uns allen.
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