Ablehnung einer Holzbauweise - ein schwarzer Tag für Stadtbergen

Veröffentlicht am 27.02.2021 in Allgemein

Ein Mehrfamilienhaus in Holzbauweise verbindet Vorteile für das Klima und auch für die Bewohner. Natürlich sind Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise heute noch selten zu finden. Falls es uns jedoch nicht gelingt, in diesem Bereich eine Kehrtwende zu erreichen, dann wird die Holzbauweise eine Ausnahme bleiben. Bereits bei den Planungen zum Kindergarten am Reiterweg hat sich eine knappe Mehrheit damals für den Massivbau entschieden. Nun hatten wir eine zweite Chance, mit einem Leuchtturmprojekt in Stadtbergen zu starten: einem Mehrfamilienhaus für 10 Mieter auf dem Gelände des alten Feuerwehrhauses. Was im Gymnasium in Diedorf gelungen ist, war in Stadtbergen vergebens. Auch die Ausrede, dass wir es beim nächsten Versuch beim Neubau am Kindergarten im Fryer Circle umsetzen, ist das einsame Rufen in der Wüste. Ich glaube es erst, wenn die Planungsunterlagen für die Planung unterschrieben ist. Die Stadtratssitzung in der Februarsitzung war eine verlorene Sitzung für das Klima. Es sind schlechte Zeiten für den Klimaschutz. Vor eineinhalb Jahren hatte die CSU noch einen individuellen Klima-Masterplan für Stadtbergen ausgerufen. Die CSU hatte erklärt, dass es eine „Aufgabe von höchster Priorität“ sei, „negative Auswirkungen auf die Umwelt einzudämmen“. Vielleicht sollte sich die Partei des Klima-Masterplans daran erinnern.

Eine sehr engagierte Rede hat uns Stadtratsmitglied Jürgen Brendel für die SPD-Fraktion gehalten.

Wir, die SPD-Fraktion haben uns lange mit dem Thema BAUEN befasst und wollen das ganze etwas mit Fakten versehen und nicht, wie einige andere Fraktionen, schon sehr voreingenommen angehen.

Natürlich steht für uns im Vordergrund, dass wir energieeffizient mit einem Energiestandard KfW 55 bauen, wie es auch die Verwaltung priorisiert hat. Nicht zuletzt wegen der Zuschüsse über die KfW-Bank ist dies sogar unerlässlich. Das ist aber mit jeder Bauweise zu erreichen.

Dem Sachbericht der Verwaltung ist zu entnehmen, dass im Falle eines Wasserschadens oder Brandes im Holzhaus die Schadenshöhe ungleich höher sei als im Massivbau – demzufolge wäre die Versicherung deutlich höher. Ich selbst habe daher bei einer renommierten Versicherung nachgefragt, wie viel höher denn der Beitrag wäre. Der Zweigstellenleiter für den Bereich Augsburg teilte mir mit, dass der Beitrag für neue Objekte ca. 20% höher liege als im Massivbau und sich daher nicht wesentlich auswirke. Die Auswahl der richtigen Versicherungsgesellschaft habe dabei größere Auswirkungen auf die Höhe der Beiträge als die Art der Bauausführung.

Um bei den Fakten zu bleiben:
Der vorliegende Vergleich „Massivbau oder Holzhaus“ der TU Darmstadt ist sehr einseitig gefärbt zugunsten des Massivbaus. Das verwundert nicht, da man bei der google-Suche den Bericht der TU Darmstadt zu aller erst über das Bauunternehmen Zimmermann findet, das ausschließlich in Massivbauweise baut und den TU-Bericht zu Werbezwecken nutzt.

Der ebenfalls vorliegende Vergleich des Architekten Herrn Erwin Seiler kommt zu einem 21:7-Ergebnis zugunsten des Massivbaus, die genaue Bepunktung ist aber wenig bis nicht nachvollziehbar.

Was unserer Ansicht nach bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde ist der Klimaschutz. Die Zementherstellung verursacht Unmengen an CO²-Emmissionen, in den Zementwerken gelten ganz andere Grenzwerte als in Müllverbrennungsanlagen. In ihnen darf nahezu alles verbrannt werden, um die hohen Temperaturen zu erreichen, die meisten Zementwerke sind große „Dreckschleudern“. Auch für die Ziegelherstellung braucht man Unmengen an Energie, was ebenfalls zu einer hohen CO²-Belastung führt.

Ganz anders stellt sich der Holzbau dar:
Holzhäuser bestechen mit guter Ökobilanz und Nachhaltigkeit. Holz ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, der aus regionalen Beständen stammt und sehr gut zum Bau von Häusern geeignet ist. Der Wald gilt als natürlicher Kohlenstoffspeicher, denn ein Hektar Wald bindet und speichert pro Jahr rund 13 Tonnen CO². Es ist aus regionaler und globaler Sicht sinnvoll, langfristig so viel wie möglich CO² in Gebäuden einzulagern, um auf diese Weise zum Klimaschutz beizutragen. Gleichzeitig profitiert die Gesundheit der in einem Holzhaus lebenden Bewohner. Holz kann dank der offenporigen Struktur Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, was für eine optimale Luftfeuchtigkeit sorgt. Dies schafft eine gesundheitsfördernde Umgebung.

Ich persönlich denke, dass letztendlich sowohl Holz- als auch Massivbauten Vor- und Nachteile haben und beide ökologisch sein können.

Der Stadt Stadtbergen würde es aber gut zu Gesicht stehen, sich für einen Holzbau zu entscheiden, so wie es auch der Landkreis Augsburg beim Bau des Schmuttertal-Gymnasiums tat. Das im „Passiv Plus“-Standard gebaute Gymnasium dient dem Landkreis Augsburg als Leuchtturmprojekt.
Ich würde mir auch in Stadtbergen ein Leuchtturmprojekt wünschen!

Die SPD-Fraktion befürwortet aus den vorgetragenen Gründen eindeutig den Beschlussvorschlag 2.3 und möchte ein Haus in reiner Holzbauweise.

 
 

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Die SPD Fraktion hat sich in der Vergangenheit immer wieder für eine transparente und zeitnahe Informationspolitik ausgesprochen. Wir wollen den (interessierten) Bürger über aktuelle Sachverhalte im Stadtrat und den Ausschüssen informieren. Aus diesem Grund haben wir auch den Antrag auf ein digitales Amtsblatt mit einer Newsletterfunktion gestellt. Leider wurde Antrag nicht 1:1 umgesetzt, weil es angeblich im vorhandenen Softwarewerkzeug nicht geht.

Was wollen wir stattdessen tun:

Wir werden zeitnah die Tagesordnung einstellen, in einem weiteren Abschnitt unsere Redebeiträge und in einem weiteren Abschnitt für uns wichtige Sachverhalte. Welche Meinung haben Sie dazu? Bitte schreiben Sie uns an unter info@spd-stadtbergen.de oder rufen uns an unter 0151 11037725.

vielen Dank.

Roland Mair
Fraktionsvorsitzender

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