Reaktion vom Ordnungsdienst auf den eingereichten Leserbrief von Dr. Kundinger

Veröffentlicht am 07.08.2019 in Allgemein

Liebe Bürger,

ich finde es gut, dass der Ordnungsdienst auf den Leserbrief von Dr. Kundinger reagiert. Während Autos weiterhin den gesamten Straßenraum beanspruchen, teilen sich die anderen Verkehrsteilnehmer den kleinen Rest. Heute sind es die Fußgänger, in Teilen auch die Radfahrer, morgen kommen die Rollerfahrer dazu. Wer hat den Mut diese Entwicklung zu Lasten des Autoverkehrs umzukehren?

Die Anmerkungen sind fett unterlegt, teilweis auch die Teile, auf die sich die Anmerkung bezieht.

Leserbrief zu: Stadtbergen zeigt Radel Rowdys die rote Kelle
Augsburger Allgemeine vom 26.07.2019, Teil Augsburger Land
Verfasser: Dr. Ernst Kundinger, Alemannenweg 1, 86391 Stadtbergen
Datum 30.07.2019
Mit dem Artikel baut die Augsburger Allgemeine ein suggestives Schreckensszenario und ein klares Feindbild auf. Es geht mehr um Emotionen als um Fakten: Radfahrer im Straßenverkehr gefährden andere Verkehrsteilnehmer! Dass eine 79-jährige Frau bedauerlicherweise mit ihrem E-Bike verunglückt und an den Folgen gestorben ist, hat mit Stadtbergen nichts zu tun, sondern ist eher ein Hinweis darauf, wie der freie Markt funktioniert: Eine Fahrradindustrie bietet jedermann ihre Produkte an, aber weder die Hersteller noch die Politik tragen Sorge dafür, das Gefahrenpotential z.B. durch entsprechende Qualifikation der Nutzer zu verringern.
Den pauschalen Aussagen der Polizei zu Verstößen kann man ohne Kenntnis der Umstände wenig entgegenhalten, ebenso wenig der diffusen Meldung „zahlreicher Beschwerden über Radler“. Da muss man froh sein, dass die falsch parkenden Autos nicht auch noch den Radfahrern angelastet werden. Wo man Beispiele konkreten Fehlverhaltens erwartet, bleibt der Artikel dünn. Dafür ist dann die Drohung an Fahrradfahrer, die sich dem Ordnungsamt nicht fügen, umso umfangreicher und deutlicher. Um wessen Gunst buhlt da der Autor?
Einer „allgemein schwindenden Verkehrsmoral“ möchte der Leiter des Ordnungsamts entgegentreten und hat dabei besonders die Fahrradfahrer im Blick. Warum nicht die PKW-Fahrer und Kurierdienste, die gedankenlos durch verkehrsberuhigte Zonen rauschen, ohne dass Herr Voh oder das Ordnungsamt dies wirksam unterbinden können oder wollen? Sind diese Gegner zu mächtig? Anmerkung: Durch den städtischen Ordnungsdienst wurden im Jahr 2018 insgesamt 211 Fahrzeuge beanstandet, die im verkehrsberuhigten Bereich die Schrittgeschwindigkeit nicht eingehalten haben, im Jahr 2019 waren es bis zum 07.08.2019 insgesamt 180 Fahrzeuge. Über die Häufigkeit der Anhaltung von Kurierdiensten führen wir keine separate Statistik, allerdings waren bei diesen Fällen auch Fahrzeuge von Lieferdiensten (teils mehrfach), Getränkelaster, ein Schulbus, Handwerksfirmen und Sozialdienste dabei. Es gibt hier keinerlei Unterscheidung, wer Halter oder Führer des Fahrzeugs ist.
Die Probleme liegen auch woanders: Augsburger Allgemeine, Tagesschau und andere Medien berichteten am 9.07.2019, dass 445 Radfahrer 2018 auf Deutschlands Straßen starben - ein deutlicher Anstieg zum Jahr zuvor.“ Wer Radfahrern keine sicheren Wege zur Verfügung stellt, gefährdet sie. Die Verkehrsbehörde sollte darüber nachdenken, warum Fahrradfahrer den Fußweg benutzen. Liegt es vielleicht am Mangel sicherer Fahrradwege und am verständlichen Wunsch, sich nicht von schnell und knapp vorbeifahrenden Autos gefährden zu lassen?
Stadtbergen bietet gerade auf seinen Hauptverkehrsachsen und dort vor allem in den Kreuzungsbereichen Radfahrern wenig Raum und Sicherheit. Fahrradwege befinden sich vor allem in den Außenbereichen, wo eine Aufwertung des Radverkehrs dem Autoverkehr keine Einschränkungen abverlangt.
Fahrradfahrer sind nicht die Ursache der neuen Unübersichtlichkeit, sondern leiden darunter: Sie müssen sich den Fahrradweg gerade in Stadtbergen oft mit Fußgängern teilen. Der Boom der E-Bikers erhöht die Zahl der schnellfahrenden Radler, und nun kommen auch noch die z.B. von der Stadt Augsburg finanziell unterstützten Lastfahrräder und Elektroroller dazu. Das Fahrradfahren zu
fördern ist angesichts der wachsenden Umwelt und Verkehrsprobleme nur zu wünschen. Wenn die Infrastruktur aber nicht mitwächst, wird es für Fahrradfahrer enger, zu eng.
Statt sich als großer Vereinfacher der Verkehrspolitik zu gerieren - Fußgänger gehören auf den Gehweg, Radfahrer auf den Radweg und Autos auf die Fahrbahn -, sollte Herr Voh eingestehen, dass die Verkehrspolitik in Stadtbergen Radfahrer und Fußgänger vielfach auf eine gemeinsame Fahrbahn zwingt und in vielen anderen Straßen die Radfahrer auf die Fahrbahn. Statt Bußgelder gegen unbotmäßige Radfahrer zu verhängen, sollte Ordnungsreferent mit dem Stadtrat eher überlegen, wie sich der Fahrradverkehr in Stadtbergen attraktiver gestalten lässt, damit mehr Autofahrer aufs Rad umsteigen und damit den Straßenverkehr entlasten. Beispiele für Verbesserungen gibt es genug: Auch in Stadtbergen verwahrlosen die Radwege durch fehlende Instandhaltung. Der kombinierte Rad- und Fußweg von Stadtbergen nach Leitershofen ist ein Flickenteppich an Unebenheiten - Bodenwellen, Senkungen, Ausbrüche im Belag, nicht angeglichene Bordsteinkanten. Man kann den jetzigen Zustand als Sachbeschädigung und Körperverletzung empfinden. Ein besonders gravierendes Beispiel gedankenloser Verkehrsplanung: Die Bismarckstraße hat keinen Fahrradweg, dafür dürfen aber Autos in Teilbereichen neben den Straßenbahngleisen parken. Fahrradfahrer müssen sich dort in den fließenden Verkehr einfädeln oder stehen zusammen mit den Autos im Stau vor den Ampeln. Es ist nur zu verständlich, wenn Radfahrer auf dem sichereren Gehsteig Zuflucht suchen. Anmerkung: Auf welchen Flächen können Fußgänger „Zuflucht“ suchen, wenn die zu schmalen Gehwege durch Radfahrer benutzt werden? Ihr eigenes Zitat einen Absatz höher „Der Boom der E-Bikers erhöht die Zahl der schnellfahrenden Radler“ sollte hier insbesondere den Schutz der Fußgönger auf dem Ihnen eigentlich vorbehaltenen Gehweg nicht außer Acht lassen.
Am Kreisverkehr der Hagenmähderstraße in Richtung Ackermannstraße werden Radfahrer qua Gebotsschild auf den Gehweg gezwungen. Anmerkung: Diese Aussage ist mangels Benutzungspflicht unzutreffend. Die Örtlichkeit ist mit Zeichen 239 (§ 41 Anlage 2 lfd. Nummer 18 StVO) sowie dem Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ beschildert. Das daraus resultierende Benutzungsrecht erwirkt entgegen Ihrer Auffassung keinen „Zwang“ (§ 2 Absatz 4 Satz 2 StVO). Der Radfahrende kann demnach auch im Kreisverkehr die Fahrbahn benutzen.
Dafür dürfen sie dann beim Überqueren der in den Kreisverkehr einmündenden Straßen vor den aus dem Kreisverkehr aus- und in ihn einfahrenden Autos anhalten – Bremsen und wieder Anfahren macht mit dem Fahrrad ja so viel Spaß! In der Gegenrichtung geht es ja auch ohne Zwangsvereinigung mit den Fußgängern. Zwischen Kreisverkehr und Bismarckstraße gibt es keinen Radweg, dafür am Straßenrand durchgehend parkende Autos. Radwege enden in Stadtbergen häufig dort, wo es für Fahrradfahrer kritisch wird: In Stadtbergen vor der Unterführung der Panzerstraße unter der B17, vor der Kreuzung Hagenmähder-/Ackermannstraße, und im Ortskern vor dem Rathaus, in der Bauernstraße und in der Deuringer Straße. Im Nestackerweg fehlen Fahrradstreifen: Dafür zwingen an der Mauer zum Sheridan-Gelände abgestellte LKWs die Radler, fast in die Straßenmitte auszuweichen. In der entgegengesetzten Richtung wird gegenüber dem Rewe-Center die Fahrbahn zunehmend durch parkende PKWs der neuen Anwohner zugeparkt. Die Situation in der Augsburger Straße in Leitershofen ist verwirrend: Aus Augsburg kommend hört der Radweg im Bereich der Wohnbebauung unvermittelt auf, in Richtung Augsburg ist die Benutzung des Gehsteigs für Radler teilweise gestattet. Anmerkung: In Richtung Leitershofen ist zwischen dem Ortseingang Leitershofen und der Grenzstraße ortseinwärts rechts ein benutzungspflichtiger Geh- und Radweg mit Zeichen 240 (§ 41 Anlage 2 lfd. Nummer 19 StVO) vorhanden. Der notwendige Seitenwechsel, der erforderlich ist, da in der Augsburger Straße der linke Gehweg nicht freigegeben
und damit für eine Benutzung unzulässig ist, betrifft örtlich den Zuständigkeitsbereich der Stadt Augsburg, da die Einmündung Augsburger Straße/Am Vehicle Park vollständig auf Augsburger Flur liegt. Die Beschilderung in Stadtbergen mit einer Benutzungspflicht des rechten Geh- und Radwegs ist ausreichend und deutlich.

Auch im restlichen Leitershofen gibt es kaum Radwege. Der Rad-/Fußweg in der Panzerstraße ist ohne Beleuchtung. Nachts wird man als Fahrradfahrer in absoluter Finsternis von entgegenkommenden Autos geblendet und hat keine Chance Fußgänger zu erkennen.
Selbstverständlich muss man Radfahrer zu ihrer eigenen Sicherheit nachdrücklich dazu bringen, nachts mit Licht zu fahren. Und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zueinander sollte von Rücksichtnahme und vorausschauender Aufmerksamkeit geprägt sein. Da ist Überzeugungsarbeit hilfreicher als die rigide Durchsetzung von gesetzlichen Regel per Strafmandat. Anmerkung: Durch die Stadt Stadtbergen wurden für die angekündigten Schwerpunktaktionen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. zunächst 100 Broschüren „Sicher unterwegs mit dem Fahrrad“ bestellt (https://udv.de/de/publikationen/broschueren-flyer/sicher-unterwegs-dem-fahrrad). Im Rahmen der Aufklärung über das beanstandete Fehlverhalten werden diese Broschüren an die Betroffenen ausgehändigt. Bisher konnten wir allerdings an der Aufklärungsarbeit nur geringes Interesse feststellen. Oft hören die Dienstkräfte: „Das weiß ich alles, ich habe keine Zeit und will jetzt weiterfahren“. Allerdings erhalten wir insbesondere bei der Überwachung der Beleuchtung das Feedback, dass Radfahrer sich lieber ein Front- und Hecklicht kaufen, als erneut 20 Euro Verwarngeld zu bezahlen. Denn die Stecklichter seien billiger.
Vielleicht setzt sich das Ordnungsamt Stadtbergen ja mal mit den Betroffenen oder dem Fahrradbeauftragten oder dem ADFC an einen „Runden Tisch“, um Lösungen zu finden.

 
 

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