Augsburgs neuer Oberbürgermeister Dr. Florian Freund hat am Sonntag, den 12. Juli, die Evangelische Friedenskirche Stadtbergen besucht — per Fahrrad, wie es sich für einen OB mit ÖPNV-Ambitionen gehört. Eingeladen hatte die SPD Stadtbergen als Auftakt ihrer neuen Veranstaltungsreihe „Immer wieder sonntags". Rund 60 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, Freund nach Gottesdienst und Kanzelrede im Gemeindesaal zu erleben — und ihn zu befragen
Vom Listenplatz zum Rathausstuhl
Moderiert von SPD-Ortsvereinsvorsitzendem Jan Dengel, erzählte Freund im ersten Gesprächsteil offen aus seinem politischen Leben: 1994 trat er der SPD bei, sein kommunalpolitisches Engagement in seiner Heimatgemeinde Eisingen im Unterfränkischen wurde vom dortigen Bürgermeister gefördert. „Ich habe erlebt, dass man auch als junger Mensch mitgestalten kann — das hat mich geprägt", sagte Freund. Seit 2014 gehört er dem Augsburger Stadtrat an, seit 2018 als Fraktionsvorsitzender.
Dengel bat seinen Gast auch, den Abend der Stichwahl noch einmal Revue passieren zu lassen — und erntete einen der persönlichsten Momente des Abends. Freund schilderte den Gänsehautmoment, als ihm klar wurde, dass er gewonnen hatte. Aber er sprach auch von Rückschlägen: 2024 verpasste er den Sprung in den Bayerischen Landtag, obwohl er auf Listenplatz 2 gesetzt war. „Wichtig ist, dass man nach Niederlagen aufsteht. Das entscheidet, ob man am Ende des Tages liegt oder steht", so Freund.
Schultoiletten, Straßenbahntakt und Fuggerpromenade
Im zweiten Teil informierte Freund über die ersten Schritte seiner Amtszeit seit der Vereidigung am 4. Mai. Für die Sanierung maroder Schultoiletten wurden in den Koalitionsvereinbarungen drei Millionen Euro als Sondervermögen festgeschrieben — die Arbeiten laufen. Beim ÖPNV sollen Busse künftig im 15-Minuten-Takt fahren, Straßenbahnen im 5-Minuten-Takt — allerdings vorerst nur in nachfragestarken Zeiten. Die Umgestaltung der Fuggerpromenade mit mehr Grün, mehr Platz für Rad- und Fußverkehr und einem verbindlichen Bebauungsplan bezeichnete Freund als „Symbol für nachhaltige Stadtentwicklung". Die Finanzierung sei gesichert.
Stadtberger Fragen: Von Deuringen bis Pflegeberatung
Den dritten Teil des Abends prägten die Fragen aus dem Publikum — und die zeigten: Die Stadtbergerinnen und Stadtberger wissen genau, was sie beschäftigt. Themen waren unter anderem die Verkehrsanbindung der Stadtteile Deuringen und Leitershofen, ein Park-and-Ride-Platz am Westfriedhof, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Augsburger Stadtpolitik, die Klimatisierung von Schulräumen sowie der Wunsch nach einer Beratungsstelle für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. In allen Bereichen zeigte sich Freund gut vorbereitet und gesprächsbereit.
Pfarrerin Theresa Geißler hatte die Räumlichkeiten der Friedenskirche für den Vormittag zur Verfügung gestellt und damit einen seltenen Rahmen ermöglicht: Kirche, Stadtgesellschaft und Politik unter einem Dach. Die Reihe „Immer wieder sonntags" wird fortgesetzt.