
Fotostrecke» Einen besonderen Gast haben sich die Sozialdemokraten Stadtbergen eingeladen. Franz Maget. Der Politiker beendete seine Abgeordnetentätigkeit im Bayerischen Landtag und übernahm als Sozialreferent eine Vermittlerrolle an der Deutschen Botschaft in Tunis und in Kairo.
Franz Maget führte mit dem Satz „Wir wissen so gut wie nichts über den Kontinent“ sehr emotional in die Materie ein. Auf diesem Kontinent werden über 3.000 Sprachen gesprochen, ein Zeichen für den Reichtum dieses Landes und wir sind nur an den Schätzen des Landes interessiert.
In Niger hat Deutschland aktuell 1.000 Soldaten stationiert, wir haben dortzulande zahlreiche Institutionen und wir sind vollkommen überrascht, dass es dort zu einem Militärputsch gekommen ist. Wir überlassen das Land den Militärregimes oder der Söldnertruppe (z.B. Wagnergruppe). Die westliche Welt weis sehr wenig über die Unterschiedlichkeit der arabischen Länder, mahnt Franz Maget. Wir sprechen kein Arabisch und die einzelnen Länder verständigen sich in der Sprache der Kolonialherrn in Französisch oder Englisch. Politisch sind die Länder frei, Tunesien wurde 1956 und Algerien 1962 aus der Besetzung entlassen. Unsere Sicht auf Afrika hat sich nicht wesentlich verändert.
Im Jahr 2010 hat sich ein tunesischer junger Mann mit Benzin übergossen, weil er für seinen Gemüsestand keine Genehmigung hatte und die Polizei ihm die Gemüsewaage konfisziert hatte. Ein Kurzvideo ging viral ins Internet. Und es wurde millionenfach geteilt, weil das Smartphone in der Zwischenzeit das Kommunikationsmittel Nummer 1 geworden ist. Die herrschende Regierung musste abtreten. Der neue Präsident war ein Vertreter der Muslimbrüder, demokratisch gewählt und nach wenigen Monaten vom Militär gestürzt, finanziert von Saudi-Arabien. Die Menschen machten die Erfahrung, dass der Staat nicht ihrer Freund ist. Aktuell herrschen Königreiche, Autokratien und Militärregimes auf dem dem afrikanischen Kontinent. Demokratische Rechte findet man dort nicht mehr, Freizügigkeit oder ausreichende Arbeitsplätze sind nicht vorhanden.
Franz Maget setzt sich für die legale Arbeitsmigration ein: ein zeitlich befristeter Aufenthalt in Deutschland. So können nicht nur Ärzte unterstützen, auch Busfahrer können Lücken im deutschen Arbeitsmarkt lösen. Aber die bürokratischen Maßnahmen kommen nur langsam in Fahrt. Ein Zuhörer berichtet von zeitlichen Verzögerungen bis zu fünf Jahren und finanziellen Aufwendung von mehreren tausend Euro, nur um die Defizitbescheinigungen zu besorgen. Die unterschiedliche Anerkennung von Schulabschlüssen, Berufen und Kenntnisse verhindert die schnelle Eingliederung.
„Wir haben uns um die Region nicht gekümmert“ kommt Maget zu einem gemischten Fazit. Ein Weg in den nächsten Jahren kann die nachbarschaftliche Zusammenarbeit sein. „wir müssen die Menschen anständig behandeln“; dann kann Gutes entstehen.