Wie kann eine Kommune mit knappen Flächen dennoch bezahlbaren, barrierefreien und klimafreundlichen Wohnraum schaffen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zur Stadtentwicklung und zum Wohnungsbau in Stadtbergen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom SPD-Ortsverein Stadtbergen. Die Moderation übernahmen Stadtrat Matthias Künzel und Roland Mair, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Mitglied im Ausschuss für Bauen und Wohnen.
An der fachlich breit besetzten Runde beteiligten sich die Bundestagsabgeordnete Heike Heubach, der Architekt Roman Adrianowytsch, der Statistiker Christian Rindsfüßer, die Rechtsanwältin Julia Starke sowie der Bürgermeister des Marktes Fischach und Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Augsburg Peter Ziegelmair.
Die fachliche Grundlage der Diskussion lieferte eine umfassende statistische Auswertung von Christian Rindsfüßer zur Wohn- und Bevölkerungsentwicklung in Stadtbergen und der Region. Seine Analyse zeigte unter anderem einen starken demografischen Wandel, wachsende Haushaltszahlen bei sinkender Haushaltsgröße, einen vergleichsweise alten Wohnungsbestand sowie durchschnittlich niedrige und meist kurzfristige Leerstände. Die Bestandsmieten bewegen sich im moderaten Bereich, während die Mieten bei Neuvermietungen deutlich höher liegen.
Die bundespolitischen Förderinstrumente und Rahmenbedingungen erläuterte Heike Heubach. Sie verwies auf umfangreiche Programme für sozialen Wohnungsbau, klimafreundlichen Neubau, Nachverdichtung und barrierefreien Umbau. Bis 2029 stehen hierfür Bundesmittel in Milliardenhöhe bereit. Zugleich machte sie deutlich, dass fehlende Kofinanzierung durch die Länder und komplexe Förderverfahren die Umsetzung vor Ort verzögern können.
Architekt Roman Adrianowytsch ordnete die Herausforderungen aus Sicht der Stadtentwicklung ein. Er sprach sich für eine klare Priorität der Innenentwicklung aus – also Nachverdichtung, Aufstockung und Umnutzung bestehender Flächen – und benannte zugleich Bremsfaktoren wie verdichtungshemmende Regelwerke, hohe Standards im Bestand, langwierige Planungsverfahren und fehlende Kapazitäten. Zukunftsfähige Quartiere müssten menschenzentriert, klimaresilient und nutzungsgemischt geplant werden.
Die kommunale Umsetzungsperspektive brachte Peter Ziegelmair ein. Aus seiner täglichen Praxis als Bürgermeister und Aufsichtsrat einer Wohnungsbaugesellschaft berichtete er über konkrete Hürden bei Genehmigungen, Förderzugängen und Projektfinanzierungen. Kooperationsmodelle, städtebauliche Verträge mit Sozialquoten und Erstbelegungsrechte seien praktikable Instrumente, um bezahlbaren Wohnraum tatsächlich zu schaffen.
Die soziale und rechtliche Dimension des Wohnens beleuchtete Julia Starke. Sie stellte die Situation von Mieterinnen und Mietern in den Mittelpunkt und betonte die Bedeutung verlässlicher rechtlicher Rahmenbedingungen, sozialen Mieterschutzes und barrierearmer Wohnangebote. Wohnen müsse für unterschiedliche Lebenslagen sicher und bezahlbar bleiben.
Als zentrale Entwicklungsansätze wurden im Verlauf der Diskussion insbesondere Nachverdichtung, Baulückenaktivierung, Aufstockung und Bestandsumbau genannt. Themen wie Barrierefreiheit, Klimaanpassung, Quartiere der kurzen Wege und soziale Durchmischung spielten dabei eine wichtige Rolle.
Ein Fazit des Abends: Wohnraumentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der belastbare Daten, geeignete Förderinstrumente, planerische Klarheit und praktische Umsetzungskompetenz gleichermaßen erfordert. Die vorgestellten Analysen und Fachimpulse sollen nun ausgewertet und in die weitere Beratung eingebracht werden.