Die SPD Stadtbergen feierte die Ehrung langjähriger Mitglieder. Bei der Veranstaltung würdigte Dr. Ludwig Fink sein Wirken in der Partei, und der ehemalige Landtagsabgeordnete Harald Güller hob die Rolle der Mitglieder innerhalb einer Organisation hervor. Der Organisator Roland Mair hatte ihn eingeladen, um den Gästen einen Impuls zu geben. Der Schwerpunkt seines Beitrags lag auf der wichtigen Rolle, die Mitglieder für den Erfolg eines Vereins oder einer Organisation spielen. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei der Austausch von Meinungen und die gemeinsame Festlegung sowie Umsetzung von Positionen. Besonders betonte Güller das gemeinschaftliche Erleben von Geselligkeit.
Mit einem Augenzwinkern bemerkte Harald Güller: „Damit wäre eigentlich alles gesagt und erledigt – ich könnte jetzt aufhören.“ Doch wie es seine Art ist, führte er seine Gedanken weiter aus und hielt eine launige Rede, in der er auch auf den ehemaligen Bürgermeister Dr. Ludwig Fink einging, der für 60 Jahre Parteiarbeit geehrt wurde.
Auf der Grundlage rein marktwirtschaftlicher Überlegungen analysierte er das Zusammenspiel zwischen Mitgliedern und Parteiführung und teilte offen seine persönliche Meinung. Für ihn ist es wichtig, nach Veranstaltungen bei einem Weizenbier oder einem anderen Getränk zusammenzusitzen und sich auszutauschen. Mit einem humorvollen Seitenhieb stellte er fest, dass Mitglieder zwar nicht ernsthaft als "billigste Alternative" zum Plakate aufhängen oder Flyer verteilen gesehen werden sollten, aber dennoch ein unverzichtbarer Teil der Partei sind. „Aktuell rennen die Leute in Scharen zu den Veranstaltungen, wenn man nur leise ruft,“ sagte er schmunzelnd. Im Gegensatz dazu müsse man anonymen Lobbygruppen, die man teuer einladen könne, Reisekosten, Getränke und Essen bezahlen. "Heute muss keiner der Teilnehmenden etwas zahlen," betonte er mit einem verschmitzten Lächeln.
Einen besonderen Vorteil hat man, wenn man bereits Vorsitzender oder Amtsträger ist. Doch für viele kann dies auch eine Herausforderung sein, denn Mitglieder haben nicht nur ihre eigene Meinung, sondern diese wollen sie auch einbringen. Je mehr Mitglieder sich engagieren, desto schwieriger wird es, sicherzustellen, dass sie dem abgestimmten Plan des Vorstands folgen. Güller verwies augenzwinkernd auf die Situation des Bündnisses Sarah Wagenknecht, das im Juni 650 Mitglieder hatte und nun etwa 45 hauptamtliche Mandatsträger, die alle handverlesen wurden.
Güller reflektierte über die Vorteile einer Mitgliederpartei. Ein wertvolles Mitglied zu haben, ist zeitintensiv, und manchmal wünscht man sich, einfach auf der Couch liegen zu können. Doch die Idee, marktwirtschaftliche Alternativen zu einer starken Mitgliederpartei zu suchen, kann man schnell verwerfen. Es ist schlicht zu teuer, Dienstleistungen wie das Plakatieren oder die Teilnahme an Diskussionsgruppen zu bezahlen. Er dachte auch an die Stammtischrunde der „alten weißen Männer“ in der Fritz-Aichele-Farm, wo Getränke und eine Brotzeit serviert werden – aber auch das kostet.
Die wahre Stärke einer Partei, so Güller, liegt in der physischen Präsenz der Mitglieder. Virtuelle Mitgliederparteien können diese physische Gemeinschaft nicht ersetzen. Persönliche Begegnungen und der direkte Austausch sind für ihn essenziell. Virtuelle Formate eignen sich nur für Teile der Arbeit, wie zum Beispiel Schulungen, kurze Meinungsabfragen oder ad-hoc-Themen.
Zum Schluss betonte Harald Güller, dass die starke Mitgliederpartei die beste Lösung ist – sowohl marktwirtschaftlich als auch ideell. Er schloss seine Rede, indem er die Gedanken von Roland Mair aufgriff und den Bogen zurück zu den Mitgliedern in Vereinen, Parteien und Organisationen spann.