Am Sarg von Anna Barbara Liebknecht

Veröffentlicht am 13.05.2012 in Ortsverein

Am Nachmittag des 20. April 2012 nahmen Familie, Freunde, Nachbarn und politische Weggefährten Abschied von Anna Barbara Liebknecht, der ältesten Sozialdemokratin im Ortsverein Stadtbergen. Ihre beiden Söhne sorgten für eine sehr individuelle und stilvolle Trauerfeier.

Unser ehemaliger Bürgermeister Dr. Ludwig Fink sprach für die SPD Stadtbergen:

Liebe Familie Liebknecht,
sehr geehrte Trauergemeinde!

Anna Barbara Liebknecht ist tot, ich spreche Ihnen mein aufrichtiges Beileid aus. Ein langes, ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Und doch kommt der Tod fast immer zu früh, vor allem der Tod der Mutter und Großmutter.

Ich habe Frau Liebknecht nicht nur beobachten können, wie sie bis ins hohe Alter ausgesprochen kess durch Augsburg radelte, ich habe sie als Bürgermeister auch mehrfach besucht und stets eine freundliche, liebenswerte, hellwache, ältere Dame angetroffen , die sich hochinteressiert am gesellschaftlichen und politischen Leben zeigte. Dieses Interesse galt auch der Kommunalpolitik, der sie sich seit den Zeiten ihres unvergessenen Mannes Dr. Wilhelm Liebknecht, der als Rat in Stadtbergen wirkte, verbunden zeigte.

Sie machte nie einen Hehl aus ihrer politischen Grundüberzeugung, die sozialdemokratisch geprägt war, wobei sie auch kritische Worte finden konnte. Zur SPD ist sie Anfang der 70-er Jahre gestoßen. Sie wusste aus eigenem Erleben, aus eigener Anschauung um die Bedeutung der sozialdemokratischen Grundwerte, um Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Deutschland im vorigen Jahrhundert war auch ein Deutschland der Unfreiheit. Gerade in Berlin konnte sie das beobachten, ganz zu schweigen vom nationalsozialistischen Deutschland ihrer Jugendjahre.

Gerechtigkeit lag ihr persönlich sehr am Herzen. Gerechtigkeit im persönlichen Leben, Gerechtigkeit im gesellschaftlichen Leben, Gerechtigkeit im staatlichen Leben. Sie wusste um die Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit für die Menschen, sie wusste auch, dass diese Gerechtigkeit keine endliche, einstens abgeschlossene Aufgabe ist, sondern eine immerwährende Aufgabe mit immer neuen Fragen.

Schließlich der Grundwert der Solidarität. Im Gespräch spürte man, dass gerade die Solidarität ihr ein Anliegen war, die Solidarität zwischen Arm und Reich, die Solidarität zwischen Jung und Alt, die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken, die Solidarität zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten.

Liebe Angehörigen,

sie trauern heute um ihre so liebenswürdige Mutter, Schwiegermutter, Gr0ßmutter. Der Abschied im Diesseits ist endgültig. Dieser Gedanke schmerzt und tut weh. Vielleicht bedeutet es Ihnen eine Linderung zu wissen und zu spüren, dass es in diesen Stunden und Tagen - und darüber hinaus - Menschen gibt, die an Sie denken, die mit Ihnen trauern, die mit Ihnen leiden, die mit Ihnen fühlen.

Der Herr gebe Anna Barbara Liebknecht die ewige Ruhe!

 
 

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