Josef Pröll zeigt "Kreidefresser" in Stadtbergen – Ein Abend voller Nachdenklichkeit und Diskussion

Veröffentlicht am 07.02.2025 in Allgemein

Am vergangenen Mittwoch war der Filmemacher Josef Pröll in Stadtbergen zu Gast und präsentierte seinen Film "Kreidefresser" vor fast 100 interessierten Besucherinnen und Besuchern. Die Veranstaltung wurde vom SPD-Ortsverein Stadtbergen organisiert. Die Einleitung übernahm der Vorsitzende Dieter Fromm, der die Bedeutung des Films für die politische Bildung hervorhob. Zudem wurde ein Grußwort der Bundestagsabgeordneten Heike Heubach verlesen, die betonte, dass die "Brandmauer" gegenüber rechtsextremen Kräften keinen Millimeter weichen dürfe.

Die Veranstaltung wurde von musikalischen Beiträgen der Mehlprimeln – heute bestehend aus Reiner Panitz und Flavia Panitz – begleitet, die mit ihren nachdenklichen und ruhigen Liedern zur besonderen Atmosphäre des Abends beitrugen.

 

Josef Pröll führte mit einer eindrucksvollen Rede in den Film ein. Er betonte, dass "Kreidefresser" zwar nur 16 Minuten dauert, aber ohne einleitende Worte nicht mehr zeitgemäß gezeigt werden kann. Der Film dokumentiert die Entwicklungen der rechten Szene in Deutschland zwischen 2004 und den Folgejahren und verdeutlicht, wie sich extremistische Strukturen wandeln und gesellschaftlich akzeptabler erscheinen können. Er zog Parallelen zu historischen Ereignissen und warnte eindringlich davor, wie rechtsextreme Parteien soziale Missstände und Zukunftsängste nutzen, um ihre Ideologien in der Gesellschaft zu verankern.

In seiner Rede machte Pröll deutlich, dass die rechtsextremen Organisationen ihre Strategien über die Jahre weiterentwickelt haben. Schon 2004 war es schwer, sie optisch von anderen Gruppierungen zu unterscheiden. Viele Strukturen der sogenannten "Neuen Rechten" wurden bewusst so angepasst, dass sie als bürgerliche Bewegung wahrgenommen werden können. Dabei erinnerte Pröll an die historischen Entwicklungen vor 1933 und betonte, dass die Demokratie damals schleichend untergraben wurde – eine Gefahr, die auch heute nicht unterschätzt werden darf. Er verwies zudem auf erschreckende Wahlerfolge rechtsextremer Parteien in Europa und stellte die drängende Frage: "Haben wir etwas übersehen oder versäumt?"

Ein weiteres zentrales Thema war die Strategie rechtsextremer Parteien, soziale Probleme gezielt aufzugreifen und für ihre Ideologie zu instrumentalisieren. Sie nutzen bestehende Zukunfts- und Existenzängste der Menschen und lenken diese in rassistische und nationalistische Bahnen. Besonders besorgt zeigte sich Pröll darüber, dass sich viele demokratische Parteien zu wenig mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen. Die fehlende klare Positionierung und Organisation demokratischer Kräfte sei ein zentraler Grund für den zunehmenden Zulauf zur extremen Rechten.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Themen die Anwesenden bewegen. Gerade im aktuellen Wahlkampf scheint das Thema Migration andere wichtige Fragen, wie die hohen Energiepreise oder wirtschaftliche Erholung, in den Hintergrund zu drängen. Trotz eines Rückgangs der Asylanträge um ein Drittel im vergangenen Jahr, steigt die Ausländerfeindlichkeit. Viele Teilnehmer sahen den Grund hierfür in den wachsenden Armutszahlen, während soziale Missstände, wie Kinderarmut, oft kommentarlos hingenommen werden.

Ein weiteres zentrales Diskussionsthema war die fehlende Zusammenarbeit zwischen SPD und CDU, die aus Sicht vieler Gäste eine klare Positionierung gegen demokratiefeindliche Strömungen erschwert. Die AfD gewinnt dadurch weiterhin an Zulauf, während traditionelle Parteien insbesondere in den sozialen Medien Nachholbedarf haben. Viele Anwesende hielten es fast für zu spät, jetzt noch einen Verbotsantrag gegen die AfD zu stellen.

Filmemacher Josef Pröll betonte, dass die Lösung in der professionellen Organisation der Demokraten liegt – insbesondere in großen Organisationen und Vereinen, die sich aktiv für die Verteidigung demokratischer Grundrechte einsetzen. Er verdeutlichte anhand zahlreicher Beispiele, wie rechtsextreme Netzwerke kontinuierlich präsent sind und demokratische Strukturen gezielt untergraben. Dabei erinnerte er an die Versäumnisse der Vergangenheit und forderte dazu auf, konsequenter gegen rechte Strukturen vorzugehen. Besonders alarmierend sei, dass demokratische Massenorganisationen oft nicht laut genug auf Bedrohungen reagieren. Die Geschichte habe gezeigt, dass das passive Hinnehmen rechter Aktivitäten zu einer langfristigen Verschiebung der politischen Landschaft führe.

Auch nach der Veranstaltung ließ das Thema die Besucher nicht los. Viele von ihnen wandten sich in den darauffolgenden Tagen an die Organisatoren, um ihre Sorgen zu äußern und nach Möglichkeiten des weiteren Engagements zu fragen.

Der Fraktionsvorsitzende und Moderator des Abends, Roland Mair, unterstrich in seinem Schlusswort, dass gesellschaftliche Spaltung und das Gegeneinander-Ausspielen von Gruppen nicht der richtige Weg sei. Es sei entscheidend, sowohl Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit zu verstärken als auch die Integration von Geflüchteten effektiver zu gestalten, um ein solidarisches Miteinander zu fördern.

Die Veranstaltung hinterließ bei vielen Besuchern einen bleibenden Eindruck und zeigte einmal mehr, wie wichtig der offene Diskurs für die demokratische Gesellschaft ist.

 
 

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